Federvieh: 4.000 Gänse campen in Plaue Rubrik: Stadtgeschehen
Ein Spektakel der besonderen Art findet seit einigen Tagen vor dem Schloss Plaue statt: Etwa 4.000 Wildgänse versammeln sich allabendlich vor dem Schloss auf den Eisschollen der noch nicht ganz zugefrorenen Havel. Unter sehr lautem Geschnatter halten sie die ganze Nacht lang Wache, sicherlich auch zum Schutz vor Füchsen, die sich immer weiter auf dem Eis vorwagen, wie man an den Spuren im Schnee gut erkennen kann. Zu den auffälligen Verhaltensweisen an diesem Rast- und Überwinterungsplatz gehört eine ausgeprägte Tagesrhythmik.
Die rastenden und überwinternden Gänse übernachten zu Tausenden gemeinschaftlich mit den Blesshühnern. Tagsüber suchen sie ihre Nahrung in unterschiedlich großen Trupps auf den Flächen in der Umgebung des Schlafgewässers. Die Felder rund um Plaue und den Flughafen Briest, die zwischen fünf und zehn Kilometer vom Schlafgewässer entfernt sind, nutzen die Gänse als Nahrungsflächen. Von der B1 aus kann man sie in unterschiedlich großen Gruppen auf den Wiesen und Feldern sehr schön beobachten.
Ihren Schlafplatz vor dem Schloss Plaue verlassen die Gänse, sobald eine bestimmte Helligkeit erreicht ist. Bei Nebel und Regen kann sich daher der morgendliche Abflug verzögern. Während des morgendlichen Aufstiegs ist der Himmel pechschwarz. Erinnerungen an Alfred Hitchcocks Filmklassiker von 1963 "Die Vögel" werden dabei wach.
Vorgesternabend fand noch ein originelles Ereignis der gan(s)z besonderen Art statt: Kurz nach Einbruch der Dunkelheit landete ausgerechnet mitten auf der noch beleuchteten Eisbahn inmitten der Schlittschuhläufer eine große, ausgewachsene Gans und schlitterte bis zum Ende der Bahn. Die Überraschung bei den Gästen war groß. Rätselraten überall, was die Gans veranlasste, ausgerechnet hier und nicht 200 m weiter in der Havel zu landen.
Die Gans watschelte noch bis zum Rand der Eisbahn und blieb dort einfach sitzen. Futter rührte sie nicht an, lief aber auch nicht weg vor den Menschen. Es wurde vermutet, dass sie alt oder verletzt sei, müde oder krank. Als sie heute morgen immer noch dasaß, nahm sie der Tierpfleger und Schloss Plaue Betriebsleiter Klaus Schuhmann einfach auf und setzte sie unter die Rotlicht-Wärmelampen in den Hühner- und Schafstall.
Die Hühner und Schafe staunten nicht schlecht, als sie ihren neuen Mitbewohner erspähten. Nach ersten neugierigen Beschnupperungsversuchen überließen sie der Gans aber selbstlos Heu und Hafer, die diese gern annahm.
Die Gans stellte sich als zahm und zutraulich heraus. Sie frisst Tierpfleger Klaus Schuhmann inzwischen aus der Hand. Es ist offenbar keine Wild- sondern eine entflogene Hausgans. Sie ist beringt, aber das vielleicht erst seit kurzem, denn sie versucht ununterbrochen sich von diesem Ring zu befreien. Wer also seine Gans vermisst, kann sich gern ans Schloss Plaue wenden (0 33 81 - 28 53 60).
Wer dem besonderen Naturschauspiel der Tausenden von Gänsen in der Havel zusehen möchte, dem empfehlen wir einen Besuch ab etwa 17 Uhr an der Ostseite des Schlosses. Von dort hat man einen herrlichen Überblick über die Havel. Das seit etwa November allabendlich beleuchtete Schloss Plaue bietet darüber hinaus eine sehr romantische und friedvolle Atmosphäre. Wem es nach einer ausgiebigen Beobachtungszeit zu kalt geworden ist, der ist herzlich eingeladen sich in der nebenan befindlichen Schloss-Schänke bei Glühwein oder Rum-Grog wieder aufzuwärmen.
Dieser Artikel wurde bereits 509 mal aufgerufen. / Erstellt am: 28.01.2010 - 11:16 Uhr