Stadtgeschehen HdO: 20.000 Euro Förderung weniger / Walz: "Lage ist weiter akut"
Rubrik: Stadtgeschehen

Bis 23.30 tagte der Jugendhilfeausschuss gestern - Schwerpunktthema war dabei der Finanzierungsstreit um´s HdO. Für Streit sorgte gleich zu Beginn eine Auswertung der Verwaltung. Die hatte die 2009er Veranstaltungen des HdO auf ihre Förderwürdigkeit hin geprüft, innerhalb der letzten Tage aber 2 verschiedene Versionen der Auswertung verteilt. "Die Stimmung gegenüber der Verwaltung war dementsprechend ausgesprochen gereizt", sagt ein Teilnehmer der Runde. Nach gemeinsamer Durchsicht aller Veranstaltungen (bei einigen legte der Ausschuss ein korrigierendes Veto ein, in der Mehrzahl folgte man den Einschätzungen) tippte Bürgermeister Steffen Scheller die ermittelten Zahlen in seinen Laptop. Das Ergebnis: Dem HdO stünden demnach noch rund 160.000 Euro (statt der bisher gewährten 180.000 Euro) Förderung pro Jahr zu.



Rund 30 Sympathisanten kamen zur Sitzung, verfolgten die Diskussion. Für Irritationen sorgte eine laut Ausschussmitgliedern "grafisch gestaltete Anzeige" in einem Tourismusheft der STG, dort werde, so ein Ausschussmitglied, das Baikonur als gastronomische Einrichtung beworben: "Doch der Träger beharrt weiter darauf, dass es keine ist, das passt nicht zusammen."

HdO-Chef Andreas Walz beobachtet das Treiben mit Sorge. "Unsere Lage ist nach wie vor sehr akut, der gezahlte Abschlag betrug weniger als die Hälfte der beantragten Summe". Gleichwohl bekräftigt er: "Wir haben Interesse an einer dauerhaften Lösung, diesen Wunsch spüren wir auch bei einer Mehrzahl der Ausschuss- und SVV-Mitglieder".

Den Vorwurf, das HdO bewerbe das Baikonur aktiv als gastronomische Einrichtung, dementiert Walz. "Wir sind in den einmal pro Jahr erscheinenden Gastroführer der STG aufgenommen worden, im Rahmen eines ganz normalen Eintrages."

Ob sein Haus mit der gekürzten Förderung weiter betrieben werden kann will Walz nicht sagen. "Die genannte Summe war eines von mehreren Rechenbeispielen. Die Summe ist möglicherweise noch nicht das Ende der Diskussion. Wir warten den 7. Juli ab". Dann tagt der Jugendhilfeausschuss das nächste Mal.

 

 

Dieser Artikel wurde bereits 728 mal aufgerufen. / Erstellt am: 23.06.2010 - 09:50 Uhr

Werbung


Kommentar schreiben
Name:
E-Mail:
Homepage*
Meinung:
* optional

Gränzer 23-06-10 | 17:12
So einige Äußerungen sorgten ja eher für unfreiwillige Komik ("Wir haben hier heute noch gar nicht über Exkrementbeton geredet...") bei einem Thema, über das ich eigentlich nicht mehr lachen kann...

Was ich vermisse ist ein wirklicher Dialog. Der kam meiner Meinung nach gestern nicht zustande. Ich glaube sogar, dass selbst die Verwaltung gerne auf diesen Tanz verzichten würde. Anders kann ich mir die Migräne-Attacken einer der Anwesenden nicht erklären. Mein Tipp: Einfach mal in sich gehen und sich fragen, ob Geld wirklich das Wichtigste im Leben ist... Stellt Euch der Frage, was Ihr Euren Kindern mitgeben wollt. Sind es wirklich die Neunundvierzig-Cent-Veranstaltungen oder darf da auch mal etwas Kultur dabei sein, die sich eben nicht in Rentabilität unseres nicht bewährten Geld-Systems messen lässt, sondern ideelle Werte vermittelt. Was haben wir noch, wenn das Angebot des HdO verschwindet?

Selbst eine Verwaltungsangestellte kann sich diese Frage doch nach ihrem Gefühl beantworten, wenn denn noch welches vorhanden ist. Aber vielleicht merkt sie es, wenn ihr eigenes Kind in der Unendlichkeit des Alkoholismus verschwindet...

Sicherlich ist für mich Punkband XY, die teilweise ihren jugendlichen Horizont überschritten hat und mit der "Ficken/Saufen/Oi!"-Attitüde daherkommt, auch meiner Meinung nach nicht unbedingt förderungsbedürftig, aber darüber sollte man ins Gespräch kommen, bevor die Köpfe rollen. Und das ist auch nur meine persönliche Meinung. Wenn eine Punkband beispielsweise noch in den Kinderschuhen steckt, dann könnte ich ihr so manch textlichen Entgleiser noch verzeihen und würde sie trotzdem fördern. Denn besser, die Wut kommt auf die Bühne als auf die Barrikaden (wobei ich mir da manchmal nicht mehr sicher bin, denn jeder Mensch erträgt sicher nur ein gewisses Maß der Erniedrigung bzw. Stellung der Daumenschrauben...) Und wenn es nicht diese Band ist, gibt es noch andere, welche sicher ins Förderschema passen.

Leicht ist es übrigens auch nicht für Bands wie uns, die ohne jegliche Förderung klarkommen müssen. Ich denke, die meisten wissen nicht, welche Aufopferung und Idealismus dahinter steckt, sein Ding durchzuziehen, abseits seiner Erwerbsquelle. Aber aufgeben gilt an der Stelle nicht, denn wenn nun auch die letzten Idealisten das Handtuch schmeißen, sehe ich einer düsteren Zukunft entgegen. Ich wünsche dem HdO, uns und jedem Künstler, der keine Lobby bei der Getränkeindustrie und ihren Schergen oder sonstwo hat, genügend Durchhaltevermögen, denn die jetzigen Zustände können nicht wirklich das Nonplusultra sein. Dieses Ding durchzuziehen ist weitaus mehr, als sich am Wochenende die Birne wegzuflatraten...

Meiner Meinung nach gab es gestern seitens der Verwaltung eher schwammige Argumente, schnell zusammengeschustert mit wenig Gewichtung auf dem eigentlichen Problem. Aber eingefahrene Sichtweisen sind halt schwer zu verändern, wobei ich manchmal nicht einmal eine erkannte. Mich erinnerte die Argumentation an die meiner Tochter, wo immer wieder ein neuer Grund und ein neues "Aber" herbeigezaubert wird, um irgendetwas nicht zu machen oder durchzusetzen. Über die kann ich allerdings schmunzeln, denn die ist erst Drei...

Kultur macht man eben nicht so nebenbei, Kultur sollte eines unserer Hauptanliegen sein. Wie sagte gestern einer der Anwesenden: "Das ist alles meine Lebenszeit, die ich hier verschwende..." Recht hat er...
Kommentar löschen

Cicero 23-06-10 | 14:28
Das mit dem Gastronomieführer der STG brachte Fr. Schöne von der Stadtverwaltung vor. Sie ist doch keine reguläres Mitglied im Ausschuss oder?

Übrigens machten die Vertreter der Stadtverwaltung bei dieser Sitzung einen allg. sehr unbeholfenen Eindruck und glänzten oft mit Halbwissen (Hr. Scheller ausgenommen). Die Behandlung des Unterausschuss Finanzen durch die Verwaltung wurde auch zu Recht gerügt. Bei so einen brenzligen Thema ist es ein Unding, dass Unterlagen zurück gehalten bzw. Tage später als möglich an die Verantwortlichen herausgegeben werden.
Kommentar löschen

Sandra F. 23-06-10 | 10:25
Von wann ist das Tourismusheft der STG (Stadtmarketing- Tourismusgesellschaft Brandenburg)? Im aktuellem Gastronomiefüher (2010) der STG steht ist das Baikonur nicht aufgeführt.
Kommentar löschen