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Verwaltung lässt 10 Hunde aus dem Tierheim Caasmannstraße holen / Viele Widersprüche & offene Fragen / Wie glaubwürdig ist das Veterinäramt noch?

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 23.09.2022 / 17:01 Uhr von cg1
Diesmal hat es das Tierheim in der Caasmannstraße erwischt: Nach der mehr als fragwürdigen Auflösung der Tierauffangstation in Schmerzke hat das Veterinäramt nun gestern dort für vollendete Tatsachen gesorgt. Konkret: Die Stadtverwaltung unterstellt den haupt- und ehrenamtlichen Tierschützern des Tierheims in der Caasmannstraße offenbar, sich nicht richtig um ihre Tiere zu kümmern. Ähnlich wie in Schmerzke, kommunizieren verschiedene Verwaltungsteile dann auch noch unterschiedliche Versionen der Geschichte. Was bleibt sind Trauer und Wut bei den Helfern, die ihre Arbeit diskreditiert sehen. CDU-Fraktionsgeschäftsführer Andreas Erlecke wurde vom Tierheim zu Hilfe gerufen, er war beim Vor-Ort-Termin dabei. Die Situation beschreibt er gegenüber Meetingpoint mit einem "mehr als skurril". Die Vertreter der Stadtverwaltung hätten eine andere Version der Geschichte vorgetragen, als jene, die ihm Oberbürgermeister Steffen Scheller erläuterte. Für Erlecke ist klar: "Das zeigt wie absurd die Situation ist, man hat ihn da meiner Meinung nach bewusst falsch informiert."

Das Vorgehen der Stadt wirkt dabei wenig diplomatisch: Am Abend traf die Mail an, in welcher die Verwaltung gegenüber dem Tierheim ankündigte, am Folgetag zwischen 13 und 13.30 Uhr die Vierbeiner California (mit 7 säugenden Welpen), ScoobyDoo und Boston abzuholen. Die Vertreterin des Veterinäramtes wird von den Tierheimhelfern zur Rede gestellt, sie wiesen mehrfach auf Widersprüche in der Argumentation hin.

Moniert wird zum Beispiel offenbar, dass die Vermittlung zu spät erfolgen würde, die Rathaus-Vertreterin sagt unter anderem, dass die Tiere nicht auf der Homepage des Heims auftauchen. Die Helfer entgegnen, dass die Welpen noch gesäugt werden und keine acht Wochen alt sind, das interessiert allerdings offenbar wenig ("Kein Züchter fängt mit der achten Woche an oder der neunten mit dem Vermitteln..."). Sie verweist auf weitere Tiere, zu denen ihr dann eine Tierheimvertreterin erklärt: "Die sind doch erst seit einer Woche überhaupt nicht mehr in der Sicherstellung sondern freigegeben worden. Das ist doch noch gar nicht länger her." Daraufhin schüttelt die Verwaltungs-Vertreterin nur den Kopf. Nach Informationen von Andreas Erlecke ging die besagte Freigabe zur Vermittlung erst am 16.9. ein - das wenige Tage später als Problem anzuführen, wirkt merkwürdig.

Für bestimmte Tiere soll es sogar eine sofort mögliche Vermittlung geben, doch auch da halten die Helfer entgegen: "Das ist eine Aussage, die uns gegenüber so noch nie getroffen wurde. Wir sind darauf angewiesen, dass amtsseitig gesagt, wird: das Tier ist freigegeben."

Schnell wird dann das Thema gewechselt: "Die Hunde die wir am Montag abgeholt haben, die haben arg nach Urin gerochen und haben getrunken wie wild", hält die Veterinärvertreterin den Helfern vor. "Die sind alle nicht stubenrein", wird ihr entgegnet, der besagte Border Collie sitzt mit zwei Artgenossen im Zwinger. Als die Helfer konkret fragen, ob ihnen unterstellt wird, dass sie die Tiere nicht richtig versorgen, weicht die Stadtverwalterin aus. "Das ist eine Feststellung von der Tierärztin, die die Tiere beobachtet hat." Auf Nachfrage, welche Tierärztin das gewesen sein soll, gab es keine Antwort...

Weil auch der Vorwurf der Überbelegung im Raum stand: Diese gibt es nicht. Von 85 Hundeplätzen sind 47 belegt, von 105 Katzenplätzen sind 86 belegt und von 20 Kleintierplätzen sind 5 belegt.

Die längere Diskussion nützte nichts. Beim Abtransport der Tiere weinten die Pflegerinnen, die sich bisher liebevoll um die Vierbeiner gekümmert haben. "Dann wurden die Tiere in recht rüder Art und Weise abtransportiert", beschreibt Andreas Erlecke. Er will das Thema am Montag auf der Fraktionssitzung auf den Tisch legen. "Denn gerechtfertigt war diese Aktion nicht. Wir wollen eine wirkliche Erklärung."

Warum die Stadtverwaltung dem Tierheim offenbar nicht mehr vertraut und glaubt, jemand anderes könne die Tiere schneller vermitteln, diese Antwort bleibt das Rathaus schuldig. Andreas Erlecke sagt dazu: "Es geht nicht ums Tierwohl, es geht vermutlich ums Geld. Schnell vermittelbare Hunde wurden entzogen."

Meetingpoint hat in der Stadtverwaltung nachgefragt, um Antworten bemüht hat sich Michael Scharf, der Fachgruppenleiter für Ordnung und Sicherheit.
Nach Angaben des Brandenburger Tierheims in der Caasmannstraße hat die Verwaltung am Donnerstag drei Hunde und sieben Welpen aus der Station abholen lassen. Warum ist diese Wegnahme erfolgt?
Scharf: Das Tierheim des Tierschutzvereins steht dem Veterinäramt und dem Ordnungsamt der Stadt Brandenburg an der Havel zur Verfügung, um Tiere, die wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, gegen die Tierschutzhundeverordnung oder gegen die Hundehalterverordnung sichergestellt wurden bzw. Fundtiere der Stadt unterzubringen, zu versorgen sowie schließlich zu vermitteln. Die Tiere der Stadt werden im Tierheim zur Pflege bis zur Vermittlung untergebracht. Das Tierheim ist bei diesen Tieren kein Eigentümer der Tiere.

Warum erfolgte genau die Wegnahme dieser Tiere und nicht anderer Vierbeiner vor Ort? Wurde die Auswahl mit dem Tierheim abgestimmt?
Scharf: Da es zurzeit zahlreiche jungen Hunde und Katzen im Tierheim aus Fortnahmen gibt, wurden andere Möglichkeiten der Unterbringung genutzt, um für diese Tiere schneller ein neues Zuhause zu finden und die Verweildauer der Tiere in einem Tierheim zu verkürzen. Da bereits andere Junghunde länger im Tierheim verweilten, wurden die zuletzt eingestellten Tiere anderweitig untergebracht, um eine schnelle Vermittlung zu gewährleisten.

Warum haben die beteiligten Veterinärmediziner der Verwaltung es zugelassen, dass die Tiere im Transportwagen in Boxen ohne Wasser oder anderweitige Ausstattung transportiert wurden?
Scharf: Der Transport erfolgte in handelsüblichen Transportboxen. Sie waren mit saugfähigem Material ausgestattet. Die zu erwartende Transportdauer lag unter einer Stunde. Die Tiere wurden vorher mit Wasser versorgt und Temperaturen waren moderat. Eine Versorgung während des Transportes mit Wasser war hier nicht erforderlich.

Bilder

Die Tiere wurden in dieses Fahrzeug verladen / Quelle: privat
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