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Alle Räder stehen still / Streik auch bei den Brandenburger Verkehrsbetrieben

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 01.03.2024 / 10:06 Uhr von rb
Wie in vielen anderen Städten und insgesamt in 14 Bundesländern, wird auch heute seit Betriebsbeginn bei den Brandenburger Verkehrsbetrieben gestreikt und in der Havelstadt stehen alle Räder des ÖPNV still. Es ist nach dem 2. Februar der zweite Streiktag in der aktuellen Tarifrunde. Nur dieses Mal dauert der Streik bis zum Betriebsende, also bis Samstagmorgen gegen 3:30 Uhr, an. Ab dem neuem Betriebstag, Samstag 4 Uhr, soll dann der ÖPNV wieder planmäßig verkehren. Dafür stehen die Beschäftigten der VBBr aber nicht nur vor dem Tor ihres Unternehmens. Einige von ihnen fahren auch zu einer am Mittag in Potsdam stattfindenden Kundgebung.
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Diese Kundgebung wird gemeinsam mit Fridays for Future stattfinden, da beide Gruppen gemeinsame Ziele verfolgen. Neben den Brandenburgern treffen sich viele andere Kollegen aus dem gesamten Bundesland Brandenburg in Potsdam am Alten Markt um etwa 12 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Landtag in Potsdam. Sie hoffen auf Resonanz aus dem Landtag und haben dazu den Ministerpräsidenten Dietmar Woidke und die Finanzministerin des Landes Kathrin Lange eingeladen.
Es geht darum, Druck auf die Politik zu machen, da der ÖPNV im Land Brandenburg unterfinanziert sei.
So habe die Landesregierung vor einigen Jahren ein Gesetz beschlossen, das die Aufgabengebiete und die Bezahlung auf die Kommunen abwälzt, obwohl vom Bund eigentlich kommt, dass das Land sich darum kümmern müsse. Das ist leider im Land Brandenburg nicht der Fall. Daher sei der ÖPNV im Land Brandenburg sehr unterfinanziert und man müsse versuchen, dieses Gesetz wieder auszuhebeln, damit der ÖPNV nicht nur für die Fahrer, sondern vor allem auch für die Fahrgäste wieder attraktiver wird.

Bei den Streikenden vor dem Sitz der VBBr war auch deren Geschäftsführer Jörg Vogler anzutreffen. Er wollte die Gelegenheit nutzen, um mit den Streikenden zu sprechen. „Es sind letztlich meine Mitarbeiter. Es ist ein friedlicher Streik angekündigt worden und wir konnten unsere Fahrgäste informieren. Ich habe ja auch eine gewisse soziale Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern. Und insofern ist der Streik nicht nur in unserer Demokratie berechtigt, sondern sicherlich auch von den finanziellen und sozialen Voraussetzungen her“, so Jörg Vogler.

In seinen Gesprächen ging es unter anderen über die Themen, die von der Gewerkschaft für den Streik nach vorne getragen werden. „Das sind vorzugsweise Manteltarifvertragsthemen. Da geht es also um eine besondere Vergütung für besondere Belastungen, zum Beispiel geteilte Dienste“, berichtet er. Wenn zum Beispiel ein Busfahrer ganz morgens zur Arbeit kommt, die Schüler fährt, danach 3 Stunden Pause hat, die er nicht bezahlt bekommt und dann nochmal in den Bus steigt, um am Nachmittag noch eine Teilschicht durchzuführen und dann zwar nur 8 Stunden arbeitet, aber in der Summe 11, 12 und noch mehr Stunden von zu Hause entfernt ist, dann sei das schon eine besondere Belastung. Und die Gewerkschaft möchte für diese besondere Belastung auch die Zuschläge erhöhen.

Insgesamt gibt es einen Forderungskatalog der Gewerkschaft. Der unterteilt sich in Forderungen zum Tabellenentgelt. Da fordert die Gewerkschaft 20 Prozent mehr Lohn, mindestens 650 Euro. „Das ist natürlich weit überzogen und nicht leistbar. Jedenfalls nicht auf den Zeitraum, den sich die Gewerkschaft vorstellt. Die Gewerkschaft stellt sich vor, dass sie einen Tarifvertrag über 12 Monate abschließen. Wir haben vor 3 Wochen in Eberswalde mit der Gewerkschaft verhandelt und für eine Laufzeit von 36 Monaten haben wir 19 Prozent mehr Lohn angeboten. Und das ist von der Gewerkschaft abgelehnt worden“, berichtet der VBBr-Geschäftsführer. Das sei aber nur ein Teil der Forderungen, um die es geht.

Das heißt, es würde erheblich den Betriebsfrieden stören, weil das in den anderen Entgeltgruppen, beispielsweise im Fahrgastzentrum oder in der Werkstatt, nicht der Fall ist. Also es kann auch nicht der Ansatz der Arbeitgeber sein“, erläutert dazu Vogler, der sich da einen anderen Ansatz vorstellt.

„Wir stellen uns vor, dass wir langjährige Betriebszugehörigkeit mit einem extra monatlichen Geld würdigen. Wer 20 Jahre, 30 oder 40 Jahre im Unternehmen ist, der bekommt dann zusätzlich jeden Monat finanzielle Anerkennung. So stellen wir uns das vor. Und es gilt auch für alle Beschäftigten und sichert so den Betriebsfrieden und auch die Zufriedenheit aller Mitarbeiter“, beschreibt Vogler die Idee.

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