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"Ohne uns bricht die Wirtschaft zusammen" - Brandenburgs Kita-Personal im Protest-Modus!

Regionales
  • Erstellt: 16.05.2024 / 19:01 Uhr von ant
Mit einem landesweiten Aktionstag forderten Kindertageseinrichtungen am Mittwoch erneut die Überarbeitung des bestehenden Kitagesetzes. Mehr als 270 Kitas und Horte in Brandenburg riefen die politischen Verantwortlichen im Land auf, noch vor den Landtagswahlen am 22.September ein neues Kitagesetz auf den Weg zu bringen.
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Um auf die Missstände in den Kitas aufmerksam zu machen, gab es am Mittwoch im ganzen Land über 230 dezentrale Protestaktionen. Dazu gehörten mehrere Kundgebungen und Demonstrationszüge in Cottbus, Eberswalde, Königs Wusterhausen, Lübben, Neuruppin und Potsdam sowie Protestzäune oder Plakataktionen.

Auch in Brandenburg an der Havel beteiligten sich die Erzieherinnen und Erzieher. So zum Beispiel Sarah Walter und Silvia Nowakowski von der Kita St. Gotthardt in der Bergstraße in Brandenburg an der Havel. Sie befestigten drei Flaggen an der Hausfassade der Kita, um auf die Aktion und die Forderungen aufmerksam zu machen. Auf einer Flagge stellen sie die Frage: "Was wäre, wenn es uns nicht mehr gäbe?".

Das Team von Meetingpoint stellt der Erzieherin Sarah Walter die Frage zurück. Sie antwortet: "Wir sind das Fundament der Gesellschaft und das wird leider noch viel zu wenig gesehen. Ohne uns würde schlichtweg die Wirtschaft zusammenbrechen, weil Eltern ihre Kinder nicht mehr betreuen lassen könnten, während sie arbeiten. Im bundesweiten Vergleich haben wir hier in Brandenburg eine echt angespannte Lage. Hier kommen die wenigsten Erzieher auf die meisten Kinder."

Sarah Walter weiter: Wir sind nicht die Basteltanten, die nur den ganzen Tag mit den Kindern spielen und basteln. Wir bewältigen so viel mehr Aufgaben - von Konfliktlösung über Entwicklungsförderung bis hin zu Verwaltungsaufgaben. Wir brauchen nicht noch mehr Bürokratie. Das, was wir wirklich brauchen, ist Anerkennung auf allen Ebenen und dazu gehört auch ein stabiler Kitahaushalt.“

Auch in der Kita in der Kammgarnspinnerei in Brandenburg an der Havel hat sich das Kita-Personal viele Gedanken gemacht. Dort steht noch bis morgen ein Pappaufsteller im Eingangsbereich, der eine Erzieherin oder einen Erzieher darstellen soll. Die Kinder schreiben auf Postkarten, was sie denken, was die Aufgaben und Anforderungen der Kitamitarbeiter sind. Anne Schreiber, die als Kiez-Kita-Fachkraft dort arbeitet, sagt: "Die Idee ist, dass die Kinder all die Anforderungen an den Pappaufsteller pinnen und somit aufzeigen, wie vielschichtig die Aufgaben von Erzieherinnen und Erzieher sind. Ich kann mir vorstellen, dass der Pappaufsteller im Laufe der Woche nach vorne umkippt, weil so viel dran pinnt."

Auf der Internetseite der Initiative Kita Kollaps gibt es eine Karte, auf der zu sehen ist, welche Kitas sich in diesem Jahr an der Aktion beteiligt haben. Es gab auch die Option, sich anzumelden und anzuklicken: "Wir würden gern laut und bunt gegen den Kita Kollaps protestieren, haben aber gerade leider keine Kraft dafür". Davon machten so einige Kitas des Landes Gebrauch.

Hinter der ganzen Aktion steckt die Initiative Kita-Kollaps. Sie fordert dazu auf, den Notstand in der frühkindlichen Bildung zu beenden, die Finanzierung der Einrichtungen abzusichern und transparent zu gestalten. Zudem zielt das Bündnis auf die Verbesserung der Bildungs- und Betreuungssituation in den Kitas, bessere Arbeitsbedingungen und eine bedarfsgerechte Planung.

Andreas Kaczynski, Vorsitzender des Paritätischen Landesverbandes, betont: „Es bleibt ein großes Ärgernis, dass die dringend notwendige Überarbeitung des Brandenburger Kita-Gesetzes bisher gescheitert ist. Kinder, Eltern und Kita-Träger leiden jeden Tag unter den Folgen, denn eine Neuordnung der Zuständigkeiten und Finanzströme ist überfällig, um Kindertagesbetreuung auf eine auskömmliche, gerechte und transparente Grundlage zu stellen. Der Schlüssel liegt in einer Finanzierung von Kindertagesbetreuung aus einer Hand, um Rechtssicherheit zu schaffen.“

Es gehe jetzt insbesondere darum, noch vor den Wahlen einen demokratischen Prozess in Gang zu setzen. Mehr Informationen: [www.kitakollaps.de].

Bilder

Kita Kollaps Demonstrationszug durch Potsdam Bornstedt (c) Michael Bahlo
Kita Kollaps Demonstrationszug durch Potsdam Bornstedt (c) Michael Bahlo
Kita Kollaps Demonstrationszug durch Potsdam Bornstedt (c) Michael Bahlo
Kita Kollaps Demonstrationszug durch Potsdam Bornstedt (c) Michael Bahlo
Sarah Walter und Silvia Nowakowski von der Kita St. Gotthardt in der Bergstraße in Brandenburg an der Havel haben dafür gesorgt, dass drei Flaggen an der Hausfassade der Kita hängen und auf die Forderungen der Aktion Kita Kollaps hinweisen. Die Kita hatte zum Aktionstag normal geöffnet. (c) Antonia Wünschmann
Die drei Flaggen an der Hausfassade der Kita St. Gotthardt (c) Antonia Wünschmann
Flagge der Kita St. Gotthardt: Was Erzieherinnen und Erzieher wirklich brauchen (c) Antonia Wünschmann
Auch die Kita in der Kammgarnspinnerei in Brandenburg an der Havel hatte normal geöffnet. Die Mitarbeiter haben eine Tafel mit der Elternumfrage und einen Pappaufsteller in den Eingangsbereich gestellt, der eine Erzieherin oder einen Erzieher darstellen soll. Die Kinder schreiben auf Postkarten die Aufgaben und Anforderungen von Erzieherinnen und Erziehern und pinnen diese an den Aufsteller, um die Vielfalt und Vielschichtigkeit der Aufgaben und Erwartungen zu verbildlichen. (c) Anne Schreiber, Kiez-Kita-Fachkraft
Kita Kollaps Demonstrationszug auf dem Alten Markt in Potsdam (c) Peter Raddatz
Kita Kollaps Demonstrationszug auf dem Alten Markt in Potsdam (c) Peter Raddatz
Kita Kollaps Demonstrationszug auf dem Alten Markt in Potsdam (c) Peter Raddatz
Die Mitarbeiter der Kita Kleine Fische vom Diakonischen Werk in der Damaschkestraße 28 in Brandenburg an der Havel malten mit den Kindern am Aktionstag mit Kreide "Kita Kollaps 2024" auf die Straße. Die Kita hatte normal geöffnet. (c) Kita Kleine Fische
Protestaktion von fünf Kitas in Neuruppin mit Info-Stand und Bauzaun: Die Fachkräfte informierten mehrere Hundert Eltern. Viele von ihnen haben ihre Forderungen aufgeschrieben: Sie wünschen sich mehr Personal und damit ein besseres Bildungsangebot für Ihre Kinder (c) Paritätischer Brandenburg/Antje Baumgart
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