Das Seniorenheim “Domizil am Marienberg” wurde am Donnerstag in der Potsdamer Staatskanzlei als eines von 20 Brandenburger Unternehmen für sein außergewöhnliches Engagement in der Beruflichen Orientierung geehrt. Die Auszeichnung, die von der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer Potsdam und dem Netzwerk Zukunft verliehen wurde, würdigt das Seniorenheim für seine vorbildlichen Bemühungen, Schülern praxisnahe Einblicke in die Arbeitswelt zu ermöglichen. "Wir haben uns sehr gefreut, dass die BOS Kirchmöser uns vorgeschlagen hat. Wir wurden einige Wochen im Voraus informiert, dass die Jury uns ausgewählt hatte. Diese Anerkennung war besonders wertvoll für unsere Mitarbeiter, die hart gearbeitet und viel bewegt haben. Es war sehr erfreulich zu sehen, dass ihr Einsatz in der Öffentlichkeit gewürdigt wurde", sagt Christin Grix, Geschäftsführerin des Seniorenheims.
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Die Zusammenarbeit zwischen dem Seniorenheim und der Berufsorientierten Oberschule hat sich in den letzten Jahren zu einer erfolgreichen Partnerschaft entwickelt. "Seit etwa sechs Jahren, bereits vor der Corona-Pandemie, arbeiten wir eng zusammen. Das Hauptziel dieser Kooperation ist es, Schüler für den Pflegeberuf zu begeistern und ihnen praktische Einblicke in die Arbeit zu ermöglichen", berichtet Christin Grix.
Die Initiative begann mit einem Gespräch zwischen der Pflegeeinrichtung und dem Schulrektor Peter Grun, um Praktikumsmöglichkeiten für Schüler zu schaffen. Inzwischen gibt es feste Ansprechpartner und konstruktive Gespräche mit den Lehrern. Die Schüler werden während ihrer Praktika im Domizil am Marienberg betreut und beaufsichtigt, was ein angenehmes Miteinander fördert.
Das Seniorenheim hat ein strukturiertes Programm entwickelt, um Schülern der siebten und achten Klasse einen umfassenden Einblick in den Pflegealltag zu gewähren. Alle fünf bis sechs Wochen besuchen etwa zehn Schüler die Einrichtung für einen Vormittag. Das Programm umfasst eine Hausführung, interaktive Beschäftigungen mit Bewohnern, sportliche Aktivitäten und Brettspiele. Die Schüler werden aktiv in den Tagesablauf integriert, indem sie Bewohner zu Aktivitäten begleiten und sich in verschiedenen Bereichen einbringen. Zusätzlich erhalten sie praktische Einblicke in pflegerische Tätigkeiten.
Diese Initiative zeigt bereits Erfolge: Einige Schüler entscheiden sich für regelmäßige Besuche oder planen zukünftige Praktika in der Einrichtung. Obwohl bisher noch keine direkten Ausbildungsverhältnisse daraus entstanden sind, sieht die Leiterin Christin Grix das Programm als vielversprechenden Weg, um jungen Menschen ein realistisches und positives Bild der modernen Altenpflege zu vermitteln: "Es ist für uns ganz wichtig zu zeigen, dass die Pflege nicht aus dunklen, ungepflegten Pflegeheimen besteht, sondern aus luftigen, schönen Räumen mit Bewohnern, die lächeln und Spaß haben. Es riecht bei uns nicht nach Urin, es riecht ganz genau wie in jeder Wohnung. Es sind Teppichböden, es sind schöne farbliche Wände. Es sind Möbel, mit denen sich alte Leute auch identifizieren können."
Grix betont die Notwendigkeit, das Image der Pflege zu verbessern: "Man muss ja heutzutage der Pflege irgendeine Lobby geben. Die ist ja eher schlecht. Deswegen bewirbt sich auch kaum jemand, weil so viele denken, dass Work-Life-Balance in diesem Beruf nicht geht und dass man davon nicht leben kann und nur den Dreck der anderen wegmachen muss. Aber die schöne Seite der Medaille, die sieht man so schlecht."
Die Leiterin des Seniorenheims fragt sich: "Wie soll man aus diesem schlechten Image herauskommen, wenn man nicht die Jugend, unsere Zukunft anspricht? Und zeigt: Hier geht es auch anders!" Sie beschreibt die erfüllenden Seiten des Pflegeberufs mit besonderem Fokus auf den Umgang mit älteren und demenziell erkrankten Menschen: „Es ist eine ganz große Geschichte, wenn man diesen Menschen in ihrer schwierigen Situation einen würdevollen Rahmen und ein angenehmes Zuhause bieten kann. Zu sehen, wie man ihnen ein Lächeln entlockt und ihren Lebensabend positiv gestaltet, ist unglaublich bereichernd.“
Sie betont zudem die Wichtigkeit von Respekt und Empathie in der Pflege: „Die Entscheidung, in ein Pflegeheim zu ziehen, ist für die Bewohner eine einschneidende Veränderung. Wenn man als Pflegekraft merkt, dass man ihnen medizinisch und sozial helfen kann, sich wohlzufühlen, dann ist das eine wirklich tolle Aufgabe.“
Mit Blick auf die Zukunft plant das Seniorenheim, seine Bemühungen in der Nachwuchsgewinnung zu intensivieren. Ab 2026 möchte Grix verstärkt Schulen kontaktieren und die Ausbildungsmöglichkeiten im Pflegebereich bewerben. Sie sieht darin die "einzige Möglichkeit, Fachkräfte zu erhalten", da der freie Arbeitsmarkt den Bedarf nicht decken kann.
Für Schüler, insbesondere Gymnasiasten, bietet das Seniorenheim verschiedene Einstiegsmöglichkeiten in den Pflegeberuf. Neben der dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachkraft gibt es auch kürzere Ausbildungswege wie die ein- oder zweijährige Ausbildung zur Pflegeassistenz. Grix ermutigt Interessierte, sich zu melden und die vielfältigen Karrieremöglichkeiten im Pflegebereich zu erkunden.
Hintergrund:
Christin Grix, ursprünglich mit dem Ziel Ärztin zu werden, studierte zunächst Medizin an der Humboldt-Universität. Nach der Wende wechselte sie zur Betriebswirtschaft und gründete vor etwa 30 Jahren ihre erste Firma - eine ambulante Pflegeeinrichtung. Ihre medizinischen Grundkenntnisse und betriebswirtschaftliche Expertise führten sie zunächst in die Hauskrankenpflege. Vor etwa 20 Jahren baute sie gemeinsam mit ihrem Mann das Seniorenheim Domizil am Marienberg in der Nikolaus-von-Halem-Straße 3 auf, das sie seitdem gemeinsam betreiben. Aktuell beschäftigen sie 41 Mitarbeiter.