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In Hohenstücken spukt es beim Balkontheater / 2. Auflage heute

Aus der Stadt
  • Erstellt: 23.08.2025 / 13:01 Uhr von rb
Mit ausreichend Liegestühlen, Sitzbänken und Gartenstühlen hatten die Macher des 4. Balkontheaters der Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg (WBG) im Quartier der Mitte den Hinterhof der Friedrich-Grasow-Straße 57 in Hohenstücken ausgestattet, dachten sie zumindest. Mit dem großen Besucheransturm zum Balkontheater hatten sie aber dann doch nicht gerechnet und es war gut, dass einige der Besucher des Abends sich gut vorbereitet hatten und eigene Campingstühle oder Decken mitbrachten. Bereits zum 4. Mal fand das Balkontheater der WBG, das in diesem Jahr auch wieder auf den Balkon zurückkehrte, hinter einem der Wohnblocks statt, die zur Renovierung anstehen.
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Mit „Spuk im Neubaugebiet“ geht die noch kurze aber schon sehr erfolgreiche Serie des Balkontheaters weiter. Die beiden Protagonistinnen Michelle Schmidt, „Frau Schmidt“, und Alexandra Wilke „Die Alex“, haben sich mit ihrer Idee zu dem Stück an der alten DDR-Fernsehserie „Spuk im Hochhaus“ orientiert und es spukte dann auch ordentlich in der Friedrich-Grasow-Straße. Unter den Geistern soll sich mit Birgit Patz auch eine Brandenburger Lokalpolitikerin befunden haben, wie gemunkelt wird. Aber nicht nur das. Mit Steffan Drotleff, Tobias Borchers, Detlef Franke und Coco Käthe Schmidt haben sich die beiden Hauptakteurinnen weitere Verstärkung auf und vor die „Balkonbühne“ geholt.

Gemeinsam mit ihrem Publikum reisten die Akteure in eine inzwischen längst vergangene Zeit und auch in das Leben, damals im Neubaublock in der DDR-Zeit. Das aber ohne die damalige Zeit zu verherrlichen, sondern eher eben ein bisschen Erinnerung wach zu halten und auch Parallelen in die heutige Zeit zu ziehen. So war es eben damals so, dass es den guten Nachbarn gab, der einem etwas aus dem Laden mitbrachte, man sich gegenseitig kümmerte und half. Aber es gab auch den Nörgler, den am meisten mit sich selbst unzufriedenen Dicken, im Unterhemd auf dem Balkon sitzenden alten Mann, der über alles und jeden schimpfte.

Das Publikum erlebte einen abwechslungsreichen Abend, der Erinnerungen weckte – getragen von großartigem Schauspiel und neu interpretierten Hits. So wurde aus „In the Ghetto“ von Elvis Presley kurzerhand „Ich geh zum Netto“, was nicht nur schallende Lacher brachte, sondern auch schnell viele Mitsinger. Es gab viele neue Erkenntnisse zu einstigen Begriffen, wie Broiler, der am Ende ein Begriff des Klassenfeindes war, oder endlich mal die Aufklärung um den Kaffee und sein DDR-Ersatzprodukt.

Zum 4. Balkontheater gehörte auch eine Kunstausstellung, genau wie in den Jahren zuvor. In diesem Jahr präsentierte die Brandenburger Künstlerin Julia Burmeister, bekannt als ‚Jules‘, Werke, von denen einige bereits bis zu zehn Jahre alt sind. Für die Künstlerin war die Ausstellung „Mitten im Beton – Jules im Hochhaus“ auch etwas ganz Besonderes, denn sie konnte das Wohnhaus selbst in vollen Zügen in ihre Kunst mit einbeziehen. So verewigte sie sich an den Wänden mit ihrer ausdrucksstarken Malerei, zumindest so lange, bis die Renovierung des Wohnhauses beginnt.

Selbst beschreibt sie diese Möglichkeit als ein sehr glückliches, euphorisches und produktives Gefühl. Zumal die Serien mitunter ja auch bis zu 10 Jahre zurückliegen. „Ich habe mich dabei auch noch einmal selbst hinterfragt, wie habe ich in der Serie eigentlich gemalt? Was war die ausschlaggebende Technik und habe mich dann quasi auch auf der Zeitebene dahin noch mal zurückversetzt. In bestimmten Serien, wie zum Beispiel die Transformation der Fülle, durfte ich wirklich die kompletten Räume einmal von oben bis unten voll klecksen. Das hat mich sehr glücklich gemacht“, so Julia Burmeister.

Nach der gestrigen Premiere können alle Neugierigen das Balkontheater im Quartier der Mitte in der Friedrich-Grasow-Straße auch heute noch einmal erleben. Das Theater geht um 19 Uhr bei freiem Eintritt los. Bereits von 15 bis 17 Uhr kann man sich auch noch einmal die Kunstausstellung „Mitten im Beton – Jules im Hochhaus“ von Julia Burmeister anschauen und mit ihr auch ins Gespräch kommen.

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