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Vor 115 Jahren erhielt der Rathenower Torturm seinen Fußgänger-Durchgang

Historisches
  • Erstellt: 02.12.2025 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Beim mittelalterlichen Rathenower Torturm wird der Durchgang heute als Selbstverständlichkeit angesehen. Der existiert allerdings erst seit 1910. Da wurden Straßenbahngleise an dem backsteinernen Wehrturm vorbeigeführt, die auf Höhe Werner-Seelenbinder-Sportplatz endeten. Da die Straße neben dem heute 28 Meter hohen Turm sehr eng war, hatte man in der Stadtverwaltung die Idee mit dem Durchgang.
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Nach Bauforschungen wurde der Rathenower Torturm nicht 1375, wie bisher angenommen, sondern bereits am Ende des 13. Jahrhunderts errichtet. Da allerdings nur eingeschossig. Erst um 1572 hatte er dann nach mehreren Umbauphasen sein heutiges Aussehen erreicht. 1945 erhielt der Turm zwei Granattreffer. Doch auch die Fundamente aus Feldsteinen sorgten für Schäden – Risse – im Mauerwerk.

Die letzte große Sanierung fand, nachdem der Turm zuvor schon aus Sicherheitsgründen drei Jahre eingerüstet und der Durchgang seit 1992 abgestützt war, schließlich im Jahre 1996 statt. Zum wiederholten Male wurden Maueranker eingezogen. Der auf der Kegelspitze thronende Vogel war nur noch im Fragment erhalten. Es ließ sich daher nicht bestimmen, ob es einst ein Adler war. Denn die Sage erzählt, dass es ein Rabe war. Demnach vermisste ein Brandenburger Bischof seinen Ring. Nur sein alter Diener hatte die Gelegenheit zum Diebstahl. Er wurde zum Tode verurteilt. Jahre später wurde der Ring bei Reparaturarbeiten in einem Rabennest gefunden. Daraufhin ließ der Bischof auf dem Rathenower Torturm zur Mahnung vor zu schnellen Urteilen den Raben anbringen.

Dagegen gibt es bei den aufgemalten Wappen keinerlei Zweifel. Zu sehen sind das askanische Rad, die Bayrischen Wecken, die Sächsisch-anhaltinischen Balken, der schwarze einköpfige Reichsadler, der doppelgeschwänzte böhmische Löwe und der rote Brandenburgische Adler.

Der Turm stand etwas seitlich vom Tor, das er verteidigen sollte. Über dieses Tor hinweg führte der Wehrgang.

Durch eine seitliche Tür gelangten die Posten in das Innere, in die Wachstuben. Auch von der Stadtseite konnte der Turm über eine Leiter erreicht werden. Die beiden unteren Räume fungierten als Gefängnis, wobei der untere Raum zwei Meter tief ins Erdreich eingelassen war. Fenster gab es in diesem Bereich nicht. Ganz oben befand sich ein Wehrgang, der mittlerweile wieder begehbar ist. Allerdings nur am alljährlich stattfindenden Türmetag.

Bilder

Der Rathenower Torturm vor 1910, also noch ohne Durchgang. Foto: Archiv Alert
Nach dem Durchbruch hatte die Straßenbahn freie Fahrt. Foto: Archiv Alert
Eine Ansichtskarte mit dem Turm von der Stadtseite aus gesehen. Foto: Archiv Alert
Nach der Wende wurde der Tortum komplett eingerüstet. Foto: Alert
Der sanierte Turm im Jahre 2011. Foto: Alert
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