Karl Friedrich Schinkel hat sich geirrt. Zum Glück. In einem denkmalpflegerischen Gutachten hatte Preußens großer Baumeister schon im Jahre 1827 dem Dom St. Peter und Paul zu Brandenburg an der Havel attestiert, dass das imposante Bauwerk die Jahrtausendwende nicht mehr erleben werde. Was Schinkel zu der pessimistischen Prognose veranlasste: Der älteste Backsteinbau der Mark stand nicht nur zwischen Havelarmen der Dominsel auf sumpfigem Untergrund, sondern auch auf dem verfüllten Graben der einstigen Slawenburg. Trotz diverser Rettungsversuche im Laufe der Jahrhunderte änderte sich nichts an der Standfestigkeit des imposanten Bauwerkes.
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Der Architekt und oberste preußische Baubeamte nahm von 1833 bis 1836 entscheidende Rettungs- und Umbaumaßnahmen am Dom vor. Wichtigste Tat war sicherlich das Einziehen der Zuganker, die bis heute den Dom zusammenhalten. Schinkel verblendete zudem den oberen Teil des Westgiebels in neugotischem Stil und fügte Zinnenkränze auf den Stumpf des Südturms hinzu. Der vormals offene Zugang zur Krypta wurde mit einer monumentalen Steintreppe vom Mittelschiff hinauf zum Hohen Chor überbaut. Eine farbige Fensterrosette wurde über der Tür des Hauptportals installiert. Die Schweifhaube der Renaissance wurde durch eine gotisierende Turmhaube ersetzt, welche bis heute besteht.
Der Umbau geschah unter erheblichem Einfluss der königlichen Familie, die auch wesentliche finanzielle Mittel aus ihrer eigenen Schatulle zur Verfügung stellte. Bewusst legte man deshalb die Wiedereinweihung des sanierten Doms St. Peter und Paul auf den Jahrestag der ottonischen Bistumsgründung und stellte König Friedrich Wilhelm III so neben Kaiser Otto den Großen. Am 1. Oktober 1836 fand die glanzvolle Feier statt.
Im Jahre 1961 rückten wieder die Bauarbeiter an. 60 Bohrpfähle von etwa 14 Meter Länge und das Verfestigen der Pfeiler im Mittelschiff verbesserten die Standsicherheit des Doms. Zugleich verschwand die riesige Freitreppe. Die dadurch wieder zu erreichende Krypta nahm eine Gedenkstätte für die Opfer der Nazizeit aus der evangelischen Kirche auf. Und es wurden die alten Treppen zum Chor freigelegt oder rekonstruiert.