Kevin Stasik gibt nicht auf. Der Gründer des ersten Cannabis Social Clubs in Brandenburg an der Havel kämpft weiter um seine Lizenz – obwohl der Prozess deutlich härter geworden ist als zu Beginn. Meetingpoint hatte im Mai 2024 erstmalig berichtet. Aus 90 Seiten für den Lizenzantrag Anfang Januar sind im Laufe des Jahres rund 200 Seiten geworden. „Es ist verdammt schwer geworden, mittlerweile eine Lizenz zu erhalten. Die Anforderungen an den Antrag haben sich definitiv verschärft“, sagt er. Trotzdem bleibt er dran: „Erstens, weil es ein Herzenswunsch ist, und weil man schon so lange darum gekämpft und so viel Energie reingesteckt hat.“
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Dass es in Deutschland kaum neue Clubs gibt, bringt Stasik mit der politischen Lage in Verbindung. Die Zahl der genehmigten Vereine sei seit Monaten kaum gestiegen. „Seit sich im Januar die Politik geändert hat, wird eigentlich eher blockiert“, sagt er und verweist auf die kritische Haltung mancher Parteien gegenüber Cannabis.
Trotzdem plant Stasik konkret weiter. Die Location in Brandenburg an der Havel steht, zunächst soll mit Zelten gearbeitet werden, um baurechtlich flexibler zu bleiben. „Zelte sind keine feste Installation, da ist das Baurecht noch relativ frei“, erklärt er. Parallel beginnt er ab heute die bisher nur vorgemerkten Interessenten anzuschreiben: „Wir fangen ab heute an, die Leute alle anzuschreiben. Wir wollen jedes Mitglied erstmal kennenlernen. Ich möchte wissen, wer nachher vor uns sitzt.“ Rund 150 Anmeldungen liegen derzeit vor, beantragt sind zunächst 250 Mitglieder – genehmigt ist diese Zahl aber noch nicht. Stasik hofft auf ein Kernteam von 30 bis 50 Menschen, die mehr wollen als „nur jeden Monat ihr Gras holen."
Besonders deutlich wird er, wenn es um den Vergleich von Cannabis und Alkohol geht. „Für mich vergleicht man da Äpfel mit Gurken. Das eine ist ein Wirkstoff, das andere ist ein Zellgift“, sagt er. Alkohol nennt er „eine der gefährlichsten Drogen der Welt“ – auch, weil der Entzug lebensgefährlich sein kann. Cannabis hingegen beschreibt er als Wirkstoff, der dem körpereigenen Stoff Anandamid ähnelt und keine lebensbedrohlichen körperlichen Entzugserscheinungen verursacht.
Dass Cannabis dennoch ein Abhängigkeitspotenzial hat, bestreitet Stasik nicht. „Das Suchtpotenzial ist da – ähnlich wie bei Koffein oder Teein“, sagt er.
Für ihn ist klar: Alkohol ist als „Gesellschaftsdroge“ deutlich gefährlicher, während Cannabis im Rahmen eines Social Clubs verantwortungsvoll angebaut und genutzt werden kann. Seine Hoffnung auf den Start in Brandenburg hat er nicht verloren: „Wir hoffen, dass wir im Januar den Schlüssel bekommen. Dann bauen wir die Zelte auf, installieren die Technik und Sicherheitsmaßnahmen – und an dem Tag, wo die Genehmigung kommt, drücken wir den Bestellbutton für die Stecklinge.“