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Ausstellungseröffnung: „Auftakt des Terrors“ – Auf der Suche nach Ihren Geschichten zum KZ Brandenburg!

Leserbriefe
  • Erstellt: 09.01.2026 / 10:01 Uhr von Rebecca Tomlinson
Am 27. Januar 2026, dem Internationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, eröffnen die Gedenkstätten Brandenburg an der Havel um 17 Uhr in der St. Johanniskirche eine Ausstellung, welche über die Geschichte der frühen Konzentrationslager, darunter das KZ Brandenburg, informiert und an seine Opfer erinnert. Zum KZ Brandenburg: 24. August 1933 – Eintreffen der ersten Häftlinge im Konzentrationslager Brandenburg! Insgesamt um die 1.200 Männer und eine Frau werden im Zeitraum von August 1933 bis Januar 1934 in dem KZ im „Alten Zuchthaus“ am heutigen Nicolaiplatz inhaftiert sein.
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Neuankömmlinge und entlassene Häftlinge führt die SS nicht selten durch die Stadt. Für die Bürgerinnen und Bürger Brandenburgs ist das nicht zu übersehen.

Dieses KZ – eines von vielen frühen Konzentrationslagern – befindet sich inmitten der Havelstadt, umgeben von Wohnhäusern, Straßenbahnlinien und Geschäften. Die meisten Häftlinge kommen aus dem Regierungsbezirk Potsdam oder aus Berlin. Eine nicht geringe Zahl stammt aber auch aus Brandenburg an der Havel, einer Stadt, die während der Weimarer Republik als „Rote Hochburg“ galt und durchgängig SPD-regiert war. Ein Häftling unter anderen ist der KPD-Funktionär Paul Wieprecht. Mit der Machtübernahme ging er in den Widerstand und verteilte die verbotene Zeitung „Die rote B.Z.“. Verhaftet auf offener Straße brachte ihn die SS in das KZ Brandenburg. Die Konzentrationslager Oranienburg und Lichtenburg sowie eine Gefängnisstrafe folgten. Die Brandenburgerin Gertrud Piter wird ebenfalls im Konzentrationslager ihrer Heimatstadt inhaftiert, als vermutlich einzige Frau. Ehemals KPD-Stadtverordnete, ging sie wie Wieprecht nach der Machtübernahme in den lokalen Widerstand, übernahm dort Führungsaufgaben. Am 11. September 1933 erfolgte die Verhaftung. Sie erlebt Folterungen und Vergewaltigungen, bis die SS sie schließlich am 22. September 1933 ermordet.

Ein weiterer namhafter Häftling des Lagers Brandenburg ist der jüdische Anwalt Hans Litten, der Adolf Hitler 1931 vor Gericht brachte und bloßstellte. Im Oktober 1933 wird Litten in das KZ Brandenburg gebracht und bleibt dort bis zu dessen Auflösung Ende Januar 1934. Damit endet jedoch nicht seine Haftzeit. Insgesamt fünf Jahre sitzt der Anwalt in Lagerhaft. 1938 begeht er Suizid im KZ Dachau.

Seine Nichte Patricia Litten liest am 27. Januar um 18.30 Uhr im Gotischen Haus aus dem Buch ihrer Großmutter Imgard Litten „Eine Mutter kämpft gegen Hitler“. Imgard Litten beschreibt darin ihren Kampf um die Freilassung ihres Sohnes Hans. (Um Anmeldung unter [anmeldung-brb@stiftung-bg.de] wird gebeten.)

Patricia Litten wird auch bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus sprechen, die am 27. Januar um 16 Uhr an der Gedenkstätte für die Opfer der NS-Euthanasie stattfindet.

Im Rahmen des Ausstellungsprojektes suchen die Gedenkstätten Brandenburg an der Havel nach privaten Quellen zum KZ Brandenburg. Gesucht werden private Fotografien und Dokumente mit Bezug zum Konzentrationslager sowie Personen mit familiären Bezügen zu ehemaligen Häftlingen oder dem Personal. Wenn Sie weiterhelfen können, dann melden Sie sich gerne per Mail unter anmeldung-brb@stiftung-bg.de, telefonisch bei 7935112/-113 oder postalisch bei Gedenkstätten Brandenburg an der Havel, z. Hd. Rebecca Tomlinson, Nicolaiplatz 28/30, 14770 Brandenburg an der Havel. Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung!

Die Ausstellung „Auftakt des Terrors. Frühe Konzentrationslager im Nationalsozialismus“ wird bis zum 6. April 2026 zu sehen sein und ist donnerstags bis sonntags von 12-16 Uhr in der St. Johanniskirche geöffnet. Sonntags um 14 Uhr finden öffentliche Führungen statt.


Bitte beachten: Meldungen in der Rubrik "Leserbriefe" geben nicht die Meinung der Redaktion wieder, sie sind ein persönlicher Text des jeweiligen Verfassers. Einsendungen sind unter [info@meetingpoint-brandenburg.de] möglich.

Bilder

Modell des „Alten Zuchthauses“, 1920er Jahre, (1933/34 KZ Brandenburg), Gedenkstätten Brandenburg an der Havel
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