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Aus dem städtischen Bauhof wurde der VEB Baureparaturen

Historisches
  • Erstellt: 03.02.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Auf dem Gelände des Wiesenweges tauchten in den vergangenen Jahren bei Erdarbeiten immer wieder Überbleibsel von 1945 aus politischen Gründen zerstörten Denkmälern auf. Die Funde waren nicht völlig überraschend, da sich dort ab 1923 der Bau- und Lagerhof der Stadt befand. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Bauhof als VEB Baureparaturen weitergeführt. Mit dem 1992 erfolgten Umzug des mittlerweile privatisierten Unternehmens in die Friedrichshafener Straße endete dieses Kapitel der Stadtgeschichte.
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Der Bauhof zog gleich mehrfach um und befand sich eine zeitlang auch im Bereich des heutigen Hospizes. Daher auch der Name Bauhofstraße. 1923 war dann der neue Standort in der Franz-Ziegler-Straße, der sich in das gerade entstandene Wohngebiet einordnete. Nach den Entwürfen des damaligen Stadtbaudirektors Moritz Wolf entstand dazu 1924 ein zweigeschossiges Wohn- und Verwaltungsgebäude. Das architektonisch interessante Gebäude enthielt fünf Wohnungen, Büroräume für die Bauhof-Verwaltung und einen Lagerkeller.

Die Betriebsfläche umfasste – rechts von der heutigen Straße Am Wiesenweg bis etwa zum Narrenhaus des BKC - etwa 25.000 Quadratmeter. Auf dem Bau- und Lagerhof entstand schon 1923 ein Sägewerk, um dort Holz aus der städtischen Forst zu bearbeiten. Das Grundstück verfügte über eine gut 250 Meter lange Wasserfront, wodurch Wasserfrachten gut angelandet werden konnten. Hinzu kamen zahlreiche Baracken, in denen auch eine Zimmerei, eine Tischlerei und eine Stellmacherei untergebracht waren. In den 1920er Jahren verfügte der Bauhof immerhin über 50 Arbeiter.

Deren Aufgaben reichten vom Unterhalt der Straßen, Wege, Plätze und Parkanlagen über Uferbefestigungen und Brücken. Dazu mussten die kommunalen Gebäude in Schuss gehalten werden. Nach dem Krieg wurde der Betrieb nahtlos weitergeführt, mussten doch viele Kriegsschäden behoben werden. Zugleich verschwanden Denkmale wie der Kurfürstenbrunnen, das Denkmal Friedrichs des Großen oder die Erinnerungstafel an den Einzug der Hohenzollern am Plauer Torturm. Große Teile der 1974 gesprengten Bismarckwarte sollen auch auf dem Lagerhof gelandet sein.

Nach dem Krieg ging der Bauhof in den VEB Baureparaturen auf. Der Betrieb musste sämtliche Baureparaturleistungen der Stadt ausführen. 1992 wurde das Unternehmen privatisiert und zog in die Friedrichshafener Straße. 1996 erfolgte die Insolvenz. Das Verwaltungsgebäude wurde privatisiert und ist heute ein reines Wohnhaus.

Bilder

Das einstige Wohn- und Verwaltungsgebäude des Bauhofes in der Franz-Ziegler-Straße. / Foto: Alert
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