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Zwei alte Klinkerspeicher am Stadtkanal sind heute begehrte Wohnadressen

Historisches
  • Erstellt: 04.02.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Vor gut 15 Jahren waren die beiden Speicherbauten am Stadtkanal noch ein klassisches Lost Place. Mittlerweile haben sich die beiden imposanten Klinkerbauten, jeweils mit einem Mittelrisalit, also einem vorspringenden Bauteil über die gesamten Geschosse, ausgestattet, zu einer begehrten Wohnadresse gemausert. Somit verschwanden auch zwei Schandflecke aus dem Stadtbild. Die zwischen 1860 und 1868 entstandenen beiden Speicherbauten mit dem an der Kirchhofstraße gelegenen eingeschossigen Kontorgebäude bildeten das Königliche Proviantamt.
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Auch die Klinkermauer gehört dazu. Der östliche Speicher – wohl für die Lagerung von Korn - wurde sehr repräsentativ gestaltet und war fünfgeschossig. Der andere war deutlich schlichter gehalten und auch nur dreigeschossig. Die verwendeten roten Ziegel stammen aus einer Rathenower Ziegelei.

Diese beiden und der ebenfalls noch erhaltene Speicher in der Neuendorfer Straße wurden bis 1945 militärisch genutzt. Beide Dienststellen lagen strategisch günstig an gut befahrbaren Wasserstraßen. Während des Zweiten Weltkrieges hatte das Heereszeug-Nebenamt in der Kirchhofstraße seinen Sitz, im Kontor wurde ein Wehrmeldeamt eingerichtet.

In der Wendezeit gehörte die Immobilie dem VEB Getreidewirtschaft, der hier Getreide lagerte und seinen Fuhrpark hatte. 1991 erwarb die Firma Hovac den kleineren Speicher, doch wurde der Kauf später wieder abgewickelt. Der größere Speicher gehörte dem Bundesvermögensamt, das Ende der 1990er Jahre mit einem Investor verhandelte. Doch am 13. April 1998 brannte der 65 mal 15 Meter große Speicher – es war Brandstiftung - komplett aus. Elf Einsatzfahrzeuge und 60 Kameraden waren stundenlang im Einsatz.

Trotzdem wurden im Jahre 2002 mit Franz Böger und Heinrich Pohlschneider zwei Investoren gefunden, die die unter Denkmalschutz stehende Ruine für 3,5 Millionen Euro sanierten. Es entstanden 35 Wohnungen. Der Arbeiter-Samariter-Bund richtete als Hauptmieter eine Seniorenresidenz ein, die aber mittlerweile nicht mehr besteht. Der benachbarte kleinere Speicher wurde von Matthias Philipp und Mirko Irmler vor 15 Jahren dem Vorbesitzer und dessen Bank abgekauft, noch ehe die Immobilie zwangsversteigert werden konnte. Gut zwei Milionen Euro wurden 2010/11 investiert. Es entstanden 20 Wohnungen.

Bilder

Auf diesem alten Foto sind die beiden Speicher gut zu erkennen. / Foto: Archiv Alert
Der Zustand der beiden Speicher im Jahre 1994. / Foto: Alert
Das ausgebrannte Speichergebäude mit dem Mittelrisaliten. / Foto: Alert
Die beiden Speicher im heutigen Zustand vom Kanal aus gesehen. / Foto: Alert
Vom Jungfernsteig aus sind die Inschriften der Ziegel zu erkennen. / Foto: Alert
Der größere Speicher von der Kirchhofstraße aus gesehen. / Foto: Alert
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