„Das Bauamt wollte eine zusätzliche Fluchttür“, erzählt Lisa Zenner im Interview. „Völlig nachvollziehbar, aber für mich war klar: Ich mache kein Crowdfunding, um 7.000 Euro für ein Fenster zu sammeln.“ Stattdessen entschied sie sich, die Galerie zu schließen – „mit einem guten Gefühl und ohne Groll.“
Ohne Kunst bleibt Lisa Zenner nicht. Im Gegenteil: Sie nutzt ihre Stimme jetzt auf andere Weise. Ihr neues Projekt, die sogenannten StimmKlangreisen, verbindet Gesang, Improvisation und Achtsamkeit. „Ich nehme keine Songs im klassischen Sinne auf“, erklärt sie. „Ich improvisiere. Jede Aufnahme entsteht spontan, ohne Noten, ganz intuitiv – als kleine Reise für den Kopf und das Herz.“ Über einen Online-Shop können Menschen personalisierte Klangreisen bestellen. Eine Variante, die Lisa Zenner gerade entwickelt, richtet sich an Kinder. „Eine Mutter hat mir erzählt, ihr Sohn sei bei einer meiner Aufnahmen sofort eingeschlafen – das fand ich wunderbar“, sagt sie.
Seit Anfang des Jahres arbeitet Lisa Zenner am Altstädtischen Markt 3 gemeinsam mit anderen Kreativen: Energiearbeiterin Yvonne Fendel und Ballonkünstlerin Alena Kalinina. Der neue Standort ist kein Veranstaltungsort im klassischen Sinn, eher ein Arbeitsraum – „ein Ort der Entfaltung“, wie Lisa Zenner sagt. In ihrem Raum hat sie sich bereits ein improvisiertes Tonstudio eingerichtet, wo sie jetzt ihre Klangreisen gestaltet.
Von der Bühne verabschiedet hat sie sich dennoch nicht. Am 14. Februar steht sie mit Yvonne Fendel in der Fontane-Lounge auf der Bühne (die Veranstaltung ist bereits ausverkauft), im Mai folgt ein Bossa-Jazz-Konzert in der Johanniskirche. Außerdem ist sie im Gespräch mit dem Kulturbüro und tritt bei Projekten im Kulturpavillon auf – unter anderem mit einem poetisch-musikalischen Format namens “Lauschlounge”. Neben ihrer künstlerischen Arbeit hat Lisa Zenner im Dezember eine Ausbildung zur ganzheitlichen Gesundheitsberaterin nach Rüdiger Dahlke abgeschlossen.
Auch wenn die kleine Bühne in der Steinstraße jetzt Geschichte ist, bleibt Lisa Zenners kultureller Impuls lebendig. „Ich habe gelernt, dass Kultur nicht an einen Ort gebunden ist“, sagt sie. „Sie entsteht da, wo Begegnung möglich ist.“
Mehr: [
www.lisazennerart.de].