Die Stadtverwaltung hat Carsten Eichmüller (SPD) mitgeteilt, dass er nicht mehr Ortsvorsteher von Kirchmöser sein könne. Man habe festgestellt, dass dieser seinen Wohnsitz aus Kirchmöser verlagert habe, das würde dem Brandenburgischen Kommunalwahlgesetz widersprechen. Eichmüller kritisiert die Entscheidung scharf. "Das ist ein sehr schlechter Stil vom Oberbürgermeister, ich bin maßlos enttäuscht", so Eichmüller, der auch Stadtverordneter ist. Er zahle wie bisher Miete in der Wusterwitzer Straße in Kirchmöser, diese Anschrift stehe auch in seinem Ausweis.
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Dass Oberbürgermeister Steffen Scheller am Nachmittag mitteilen ließ, er danke Eichmüller für seine "äußerst engagierte Arbeit", wertet der bisherige Ortsvorsteher als Hohn. "Es wurde kein Gespräch mit mir geführt, dass ich das Amt nicht mehr ausführen darf. Mitbekommen habe ich das erst dadurch, dass die Stadt die zugehörige Aufwandsentschädigung einbehalten kann", so Eichmüller, der gegen die Entscheidung juristisch vorgeht. "Auf ein zweites Schriftstück hat mein Anwalt bisher keine Antwort erhalten, wir bleiben aber dran und ich kann versichern: Ich werde weiter für Kirchmöser da sein und mich einbringen."
In der Tat fiel Eichmüller regelmäßig dadurch auf, sich für seinen Ortsteil stark zu machen, z.B. wenn die Stadtverwaltung mal wieder wochenlange Schließzeiten für den Bürgerservice vor Ort verfügte, die Entwicklung des neuen Baugebietes am Platz der Einheit durch manche Lokalpolitiker als nicht nötig oder machbar dargestellt wurde oder das kulturelle Leben vor Ort Zuspruch und Unterstützung benötigte.
Gleichzeitig regt er an, die Vertretung von Plaue und Kirchmöser mittelfristig hauptamtlich zu regeln. "Die Arbeitsfülle, gerade wegen der großen Brocken Industrie und Tourismus, ist für Ehrenamtler kaum zu bewältigten. Hier würden Plaue und Kirchmöser mehr abliefern können, wenn die Koordination hauptamtlich laufen würde", so die Einschätzung des langjährigen Ortsvorstehers.
Der Ältestenrat der Stadtverordnetenversammlung soll sich laut Rathaus in Kürze treffen, um zu beraten, wie es mit der Vertretung des Ortsteils Kirchmöser weitergehen kann. Für Eichmüller ist unverständlich, dass die Amtsaufgabe vorher erfolgen muss: "Eine Übergangszeit bis zur Neuwahl oder dem Ende der Amtsperiode wäre sicher möglich gewesen, wenn man das denn gewollt hätte."