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Vom Kürassiersstiefel zum letzten Kinderschuh

Historisches
  • Erstellt: 02.03.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Nach 112 Jahren war Schluss. Am 30. September 2012 sperrte Marion Schilling das „Schuhhaus Bossdorf“ in der Jacobsstraße zu. Sie war die 4. Generation. „Unsere Spezialität waren Kinderschuhe“, erinnert sich ihre Schwiegermutter Barbara Bossdorf. Viele Senioren und auch Behinderte seien unter den Stammkunden gewesen, da sie Rollstuhlfahrer sogar auf dem Bürgersteig bedient hätten.
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Dabei begann Otto Bossdorf 1900 mit der Fertigung von Kürassierstiefeln. Die waren in der Garnisonsstadt stark nachgefragt. Gearbeitet wurde in der Wohnküche in der Kleinen Gartenstraße. In den 1920er Jahren erfolgte der Umzug in die Große Gartenstraße. Während Otto der Handwerker war, übernahm sein Sohn Robert nun den kaufmännischen Teil. Zusätzlich reiste er als Vertreter der Firma Erdal durch die Lande. Die Stellung im Geschäft hielt seine Frau, die zuvor im Kaufhaus von Siegmund Hagen als Verkäuferin gearbeitet hatte. Abruptes Ende fand das Geschäft, als das Haus in den letzten Kriegstagen völlig zerstört wurde.

Im Jahre 1945 ging es daher in die Jakobsstraße 4. Der Mietvertrag für Wohnung und Geschäft war schon einige Jahre zuvor abgeschlossen worden, doch nutzte die Handelskammer kriegsbedingt weiterhin das Erdgeschoss. Das Geschäft lief, konnte man immerhin fünf Verkäuferinnen anstellen. 1970 übernahm Barbara Schilling, geborene Bossdorf, den Schuhladen. Allerdings musste sie einen Kommissionsvertrag mit der HO abschließen. „Anders wären wir nicht mehr an die Ware herangekommen“, so die heute 88-Jährige. Doch konnte man auch immer wieder direkt bei den Herstellerfirmen 2. Wahl, Schuhe mit leichten Mängeln, direkt einkaufen.

Im Jahre 1986 stieg ihre Schwiegertochter Marion Schilling in das Geschäft ein. Als C&A ins Nachbarhaus zog, wurde 1995 der schon geplante Umbau vorgezogen. Der Laden wurde deutlich heller und auch übersichtlicher. Im Jahr 2000 feierte man das 100-jährige Bestehen. Doch in den Jahren danach sank der Umsatz immer mehr. „Es verschwanden C&A, der Busbahnhof, die Kaskade, die benachbarte Bank und auch die Apotheke“, erinnert sich Marion Schilling.

Letztlich schloss man dann Ende September 2012 schweren Herzens das traditionsreiche Geschäft. Heute beherbergen die Räume ein Sportwetten-Geschäft.

Bilder

Bis 2012 betrieb diew Familie Bossdorf ihr Schuhgeschäft in der Jakobsstraße. Foto: Privat
An diesem Standort wurde auch die 75-Jahr-Feier begangen. Foto: Privat
In diesem Zustand übernahm Robert Bossdorf 1945 das Ladengeschäft in der Jakobsstraße. Foto: Privat
Barbara Bossdorf mit der Werrbung zur 75-Jahr-Feier. Foto: Alert
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