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KI im Museum: Fachwelt trifft sich in Brandenburg an der Havel zum Realitätscheck

Landesmuseum
  • Erstellt: 22.04.2026 / 16:01 Uhr von Antonia Wünschmann
KI verändert derzeit viele Bereiche unseres Alltags – oft schneller, als wir Schritt halten können. Neueste Schlagzeilen wie ein Roboter, der einen Halbmarathon schneller läuft als menschliche Spitzenathleten, zeigen, wie rasant die Entwicklung voranschreitet. Auch Museen und Archive stehen vor der Frage, was das konkret für ihre Arbeit bedeutet. Genau darum geht es bei der dreitägigen Fachtagung „KI & Co. im Museum – was geht!?“, die aktuell im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg stattfindet.
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Die Museums-Community trifft sich dort vor Ort – mit Gästen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden und Südtirol. Zwischen Chancen, Risiken und vielen offenen Fragen wurde in Brandenburg an der Havel heute vor allem eines deutlich: KI ist im Museumsalltag kein Randthema mehr, sondern mitten im Betrieb angekommen. Das zeigte auch der Vortrag von Prof. Andreas Wagener, der sich dem Thema „KI im Kulturmarketing – von Agenten, Cyborgs und virtuellen Lebewesen“ widmete und dabei viele Anknüpfungspunkte für den Museumsalltag bot.

Andreas Wagener, Professor für Digitales Marketing und E-Commerce an der Hochschule Hof, startete mit einer KI-generierten Moderatorin namens Nova – einem Avatar, den er selbst vor drei Jahren in nur 20 Minuten erstellt hat. Seit 11 Jahren mit KI vertraut, betonte er die rasanten Innovationszyklen und riet: „Immer wieder ausprobieren!“ Prompting sei simpel – entscheidend sei eine klare Rolle (z. B. „Verhalte dich wie ein Fachanwalt für Verbraucherrechte“), plus Kontext, Persona und spezifisches Ziel.

Für E-Commerce und Kulturmarketing sieht Andreas Wagener enorme Chancen: Mit 20 Euro monatlich ist es möglich Bilder in Sekunden zu bearbeiten. Er betonte für das Kulturmarketing zum Beispiel "Lovart.ai" für das Erstellen von Broschüren ohne Photoshop. Seine ganz persönliche Lieblingsapp heißt: "Suno AI". Damit können Nutzer alle möglichen Texte in Songs verwandeln - vom Grundgesetz bis zum Cookie-Rezept. Sein 14-jähriger Sohn nutzt Suno zum Beispiel als Inspiration für seine Band, in der er als Schlagzeuger spielt.

„Agenten und Automation sind die neue Sau, die grad durchs Dorf gejagt wird“, betont Andreas Wagener und nennt das Workflow-Tool “Manus”, das zum Beispiel wie ein Mensch ein Tisch im Restaurant reserviert. "Der heißeste Scheiß, der grad diskutiert wird, ist OpenClaw", erklärt er. Er findet diese Künstliche Intelligenz sehr experimentell, aber äußerst riskant und rät nicht dazu, sie zu verwenden. Es berichtet von Menschen, die der AI die Anweisung geben, dass sie mehr Geld brauchen und dann fange die Maschine an, Kryptowährung einzukaufen.

Was Prof. Andreas Wagener aber sehr empfehlen kann, ist die Nutzung von "Claude". Sein neuestes Experiment: Er baute eine komplette Website über Wein mit Blog und Newsletter nur mit dieser KI: 80-Seiten-Prompt, wöchentlich sieben Artikel zur Auswahl. „Das könnten wir auch mit Kultur machen“, schlug er vor – doch er warnte: Bei KI fehlt der menschliche Faktor, Texte müssen dringend geprüft werden.

Als Politikwissenschaftler „gefangen im Körper eines Marketing-Professors“ plädierte er neben all den Chancen auch für Skepsis: Deepfakes machen seine Haltung zu KI ambivalent, KI kann fantasieren, und bei Facebook dominiert AI-Content schon so sehr, dass die Menschen sich zunehmend gelangweilt fühlen.

In einer an den Vortrag anschließenden Diskussionsrunde brachte sich auch Prof. Katrin Glinka ein, die ebenfalls einen Vortrag hielt. Sie sagt: Museen riskieren Publikumsermüdung, wenn sie durch zu starke KI-Nutzung keine menschlichen Ressourcen und somit „keine Zeit“ signalisieren. Andreas Wagener fügte hinzu: „Marketing ist administrativ, da kann KI abnehmen – aber Kultur und Kunst müssen menschlich bleiben.“

Am Ende dieses kurzen Ausschnittes einer dreitägigen Fachtagung bleibt ein kritischer Blick von Andreas Wagener: "Weil die KI immer besser wird, wird es zu einer absoluten Umwälzung der Gesellschaft kommen, viele verlieren ihre Existenzgrundlage. Es ist ein großes Problem und es wird viel zu wenig diskutiert."

Das heißt in diesem Fall: Die Museums-Community bleibt dran, diskutiert, vernetzt sich. Das geht bei „KI & Co. im Museum – was geht!?“ noch morgen und Freitag im Landesmuseum am Paulikloster. Die Fachtagung kombiniert Vorträge, Workshops und eine Fachmesse mit rund 900 Quadratmetern Ausstellungsfläche. Ziel ist es, den KI-Einsatz ganzheitlich zu beleuchten. Unternehmen präsentierten dort die neuesten Tools und Plattformen.

Das komplette Programm gibts hier: [Klick]
Tickets gibts noch hier: [Klick]

Veranstaltungsort:
Archäologisches Landesmuseum Brandenburg
Neustädtische Heidestraße 28
14776 Brandenburg an der Havel

Bilder

Prof. Andreas Wagener mit der KI-generierten Moderatorin Nova
Der Vortrag von Prof. Andreas Wagener
Der Vortrag von Prof. Andreas Wagener
Die Gäste hören Andreas Wagener gespannt zu
Diskussionsrunde mit mehreren Vortragsgästen
Prof. Katrin Glinka
Die Fachmesse
Die Fachmesse
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