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Wallfahrer pilgerten einst zur Marienkirche auf dem Harlunger Berg

Historisches
  • Erstellt: 04.05.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Heerscharen von Gläubigen pilgerten im 13. und 14. Jahrhundert zur Marienkirche auf dem Harlunger Berg, um die Wunderkraft dieses Ortes zu erproben. Das gewaltige Bauwerk, Grundriss war ein griechisches Kreuz, war zwischen 1222 und 1240 unter der Leitung von Bischof Gernand durch niederrheinische Bauleuten errichtet worden. 1435/37 kam noch ein Kloster hinzu, das personell von den auf dem Dom ansässigen Prämonstratenser-Chorherren besetzt wurde. An gleicher Stelle soll zuvor ein Triglaw-Tempel gestanden haben. Nach der Machtergreifung hatte man den Tempel bereits 1166 mit einer deutlich kleineren Marienkirche überbaut.
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Der Kernbau der weit gerühmten Marienkirche war etwa 31 mal 26 Meter groß und wurde von 16 Säulen getragen. Für die Höhe der zentralen Kuppel sind 18 Meter anzunehmen, die vier Türme erhoben sich sogar 37 Meter über dem Kirchenboden. 1443 wurde auf der Westseite für den von Kurfürst Friedrich II. gegründeten Schwanenorden ein gotischer Chor mit einer niedrigen Unterkirche angefügt. Die Wallfahrtskirche gehörte zu den bedeutendsten Bauten der norddeutschen Frühgotik.

Ab 1383 lief Bad Wilsnack jedoch der Marienkirche den Rang ab. Nach einem Brand waren dort drei unversehrte, blutbefleckte Hostien gefunden worden. Die Wunderblutkirche entwickelte sich in der Folgezeit zu einem Wallfahrtsziel europäischen Ranges. Mit der sich ab 1539 im Land durchsetzenden Reformation gab es dann aber weder in Brandenburg noch in Bad Wilsnack Wallfahrer. Und auch das Prämonstratenserchorherrenstift wurde aufgelöst. Spätestens ab 1576 verfiel die vernachlässigte Marienkirche, obwohl sich der Magistrat für den Erhalt starkmachte.

Zuerst fielen die Türme ein. Das einst prächtige Bauwerk diente der Bevölkerung schon bald als Steinbruch. Das gefiel dem preußischen Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. überhaupt nicht. Zudem behauptete der Chef des hiesigen Infanterieregimentes, Oberst von Pini, dass es unter der Kirche einen Schatz der Prämonstratenser geben soll. So begann am 20. April 1722 der Abbruch der Marienkirche. Die Steine wurden nach Potsdam geschafft, wo sie zum Bau des dortigen Militärwaisenhauses verwendet werden sollten. Allerdings zweigte der Pini-Nachfolger, Oberst von Massow, einen Teil der Steine ab, um sein Stadthaus in der Ritterstraße und seinen Landsitz unweit der heutigen Regattastrecke zu bauen. Ein Schatz wurde nie gefunden.

Bilder

Das Modell der Wallfahrtskirche, das sich im Stadtmuseum befindet. Foto: Alert
Alphonse de Vignoles fertigte diese Zeichnung der Marienkirche an. Foto: Alert
Diese Zeichnung zeigt Details der Marienkirche und des Klosters. Foto: Alert
Im Jahre 1582 fertigte Zacharias Garcäus diese Zeichnung von Altstadt und Marienberg an. Foto: Alert
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