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Fachkräfte aus Usbekistan lernen Brandenburger Handwerk

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 05.05.2026 / 14:01 Uhr von hvf
Seit vier Monaten arbeiten Khurshidbek Tursunov (29) und Shobozjon Rabbonov (31) bei der HTB Haustechnik GmbH in Brandenburg an der Havel. Vermittelt wurden die beiden über das bundesweite Pilotprojekt "Future International Talents (FIT) for German Climate Businesses", an dem die Handwerkskammer Potsdam als Partner beteiligt ist. Beim Pressegespräch am Bildungs- und Innovationscampus Handwerk in Groß Kreutz zogen Vertreter aus Handwerk, Verbänden und Politik am gestrigen Montag eine erste Zwischenbilanz.

Diese fällt gemischt aus. Das Potenzial ist da, der Aufwand aber enorm. Dem deutschen Handwerk fehlen laut der Handwerkskammer (HWK) Potsdam 2026 schätzungsweise 200.000 bis 250.000 Fachkräfte, rund 70 Prozent der Betriebe suchen Personal. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz hat den Zugang zum Arbeitsmarkt seit 2020 zwar erleichtert, doch zwischen gesetzlicher Öffnung und betrieblichem Alltag liegen nach wie vor viele Hürden.

Tursunov und Rabbonov durchlaufen derzeit praxisorientierte Qualifizierungsmaßnahmen, um die volle Gleichwertigkeit mit den deutschen Ausbildungsberufen zu erreichen. Besonders die Sprache bleibt eine Baustelle: Zertifikate allein reichen in der Praxis oft nicht, gerade im SHK-Handwerk kommt es auf Fachsprache, Sicherheitsanforderungen und präzise Verständigung auf der Baustelle an. Dazu kommen für die Fachkräfte Führerscheinumschreibung, Wohnungssuche auf einem angespannten Markt, Behördengänge von der Anmeldung bis zur Krankenkasse. Gerade im Handwerk, wo Mobilität Voraussetzung für den Arbeitseinsatz ist, entsteht daraus ein erheblicher Betreuungsaufwand, der bislang an den Betrieben hängenbleibt.

"Für uns als Betrieb ist das Projekt eine echte Chance, weil wir Fachkräfte brauchen und gleichzeitig in der Praxis lernen, was für gelingende Integration tatsächlich erforderlich ist", sagt HTB Haustechnik-Firmengründer Dierk Lause. Integration brauche Zeit, Struktur und Verlässlichkeit. "Genau diese Erfahrungen müssen ernst genommen werden, wenn Fachkräfteeinwanderung in der Breite funktionieren soll."

HWK-Präsident Robert Wüst forderte, die Betriebe bei dieser Aufgabe nicht allein zu lassen: „Nur wenn wir Bürokratie abbauen und die Unternehmen konkret begleiten, kann internationale Fachkräfteeinwanderung auch im brandenburgischen Handwerk wirklich gelingen."

Zwei weitere Fachkräfte aus Usbekistan bereiten sich derzeit auf ihre Einreise nach Westbrandenburg vor, sie absolvieren gerade ihre B1-Deutschprüfung. Geplant ist eine Beschäftigung bei Handwerksbetrieben in Brück und Neuruppin. Zudem wurde bereits ein Elektroniker aus Kolumbien an die HTB Haustechnik vermittelt, er wird gegen Ende des Jahres in Brandenburg erwartet.

Bilder

v.l.n.r.: Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam; Robert Görn, Geschäftsführer Technik HTB Haustechnik GmbH; Khurshidbek Tursunov; Shobozjon Rabbonov; Patrick Schweitzer, Kaufmännischer Geschäftsführer HTB Haustechnik GmbH und Dierk Lause, Prokurist und Firmengründer, Foto: HWK Potsdam/Kuste
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