Wenn der Alltag zur Überforderung wird, Beziehungen zerbrechen und der Selbstwert in den Keller rutscht, kann eine Psychotherapie helfen. Dr. Anne Kruttschnitt, Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Psychiatrie am Asklepios Fachklinikum Brandenburg, erklärt, was Betroffene erwartet.
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Am Anfang steht die Beziehungsarbeit. "Wir möchten mit unseren Patientinnen und Patienten eine tragfähige sichere Beziehung eingehen", sagt Kruttschnitt. Dazu gehöre ein geschützter Raum, in dem auch Fragen Platz finden, die vielen schwerfallen: Bin ich liebenswert, wenn ich mich zeige, wie ich wirklich bin? Gemeinsam werde dann geschaut, was im bisherigen Leben gut gelaufen ist, welche Stärken verschüttet sind. "Unsere Patientinnen und Patienten stellen fest: Ich bin ja doch interessant! Ich bin wirksam! Ich bin kompetent! Ich bin in Ordnung!", so die Chefärztin.
Eine Psychotherapie sei dann sinnvoll, wenn der Leidensdruck so groß ist, dass der Alltag kaum noch zu bewältigen ist, erklärt Kruttschnitt. Voraussetzung: Offenheit und die Bereitschaft, auch das eigene Verhalten zu hinterfragen. Grundsätzlich dauere eine Therapie zwischen einem und zwei Jahren, überwiegend ambulant. Bei der kognitiven Verhaltenstherapie könne aber oft schon nach vier Wochen ein gutes Ergebnis erreicht werden.
Der Vorteil einer stationären Behandlung am Fachklinikum: spezialisierte Angebote wie Kunst-, Musik- und Tanztherapie sowie die Kombination aus Einzel- und Gruppentherapie. "Für manche Patientinnen und Patienten ist es einfach gut, das häusliche Umfeld zu verlassen, um sich voll und ganz auf die Therapien konzentrieren zu können", sagt Kruttschnitt. Bei besonders schweren Erkrankungen oder Suizidalität sei eine stationäre Aufnahme zwingend notwendig.
Was Betroffene selbst beitragen können? Ehrlichkeit, Offenheit und die Bereitschaft, auch eine anfängliche Verschlechterung auszuhalten. "Manchmal fließen Tränen, wenn gewohnte Pfade müssen verlassen werden müssen und dann kommt die Erleichterung 'Es war ja gar nicht so schlimm!'", so die Psychiaterin.
Notfallpatienten können sich rund um die Uhr in der Zentralen Aufnahme Psychiatrie des Asklepios Fachklinikums unter 03381 78 1234 vorstellen.