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Das „Kaiserliche Postamt“ in Wusterwitz hat wieder eine Zukunft

Historisches
  • Erstellt: 03.06.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Schon bald soll der Schriftzug „Kaiserliches Postamt“ an dem zweigeschossigen Klinkerbau in der Wusterwitzer Ernst-Thälmann-Straße wieder zu sehen sein. Nach über zwei Jahrzehnten Leerstand hat Maximilian Wolter vor einem Jahr die mittlerweile marode Immobilie erworben. Vorbesitzer war ein Berliner, der das Haus 2014 gekauft hatte. „Er hat dort wohl auch ohne Wasser und Heizung phasenweise gewohnt“, erzählt Maximilian Wolter. Alles sei vollgestellt gewesen, habe er ein halbes Jahr benötigt um das Haus erst einmal zu entmüllen. Der 27-jährige Wolter ist Bauingenieur und will bei der anstehenden Sanierung viel selbst zugreifen.
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Dabei saniert er von oben nach unten. Das Dach ist bereits mit Dachbibern neu eingedeckt und er ist derzeit dabei das Dachgeschoß zu einer Wohnung für sich auszubauen. Allerdings steckt der Schwamm im Mauerwerk. Der muss raus. Das kostet Zeit und Geld. Hinzu kommt, dass das Haus unter Denkmalschutz steht. Alles muss daher abgesprochen werden.

Der Klinkerbau wurde im Jahre 1894 durch den Gastwirt Theodor Janik errichtet. Im Vorfeld hatte er am 17. Januar 1894 mit der Post einen Bau- und Mietvertrag abgeschlossen. Bereits am 1. Oktober dieses Jahres ging die Post in Betrieb. In 19 Paragraphen war festgeschrieben, wie der Bau zu erfolgen hatte. Das reichte von sicheren Schlössern, einer Klingel bis hin zu einer Flaggenstange. Der Schriftzug „Kaiserliches Postamt“ musste neben dem Reichswappen mit vergoldeten Buchstaben an die Fassade.

Das Erdgeschoss war mit Schaltervorraum, Paketkammer oder Briefträgerzimmer dem Postbetrieb vorbehalten. Im Obergeschoss wurde für den Amtsvorsteher eine Wohnung eingerichtet. Dort musste in die Küche ein mittelgroßer Kochherd und in den Keller kam eine Waschküche, die einen Herd mit einem kupfernen Wasserkessel enthalten musste. Das Nebengebäude im Hof beherbergte damals nicht nur eine Gerätekammer und ein Brennmaterialgelass, sondern auch zwei verschließbare Aborte und ein Pissoir. Beides mit Wasserspülung ausgestattet. 1911 kam noch ein eingeschossiger Anbau, in dem sich bis heute ein großer Tresor befindet, hinzu, wodurch das Obergeschoss über einen großen Balkon verfügt.

Während im 1. Obergeschoss wieder eine Wohnung entstehen soll, hat Maximilian Wolter noch keine Pläne für das Erdgeschoss. „Das kann nur in Absprache mit der Denkmalpflege entstehen“, so der Bauherr. Zeitlich stellt er sich überhaupt nicht unter Druck. Das könne alles bis zu zehn Jahre dauern.

Bilder

Das Wusterwitzer Postamt ist derzeit noch eingerüstet. / Foto: Alert
Das „Kaiserliche Postamt“ auf einem Foto um 1900. / Foto: Archiv Alert
So sah das Postamt noch vor einem Jahr aus. / Foto: Privat
Das Innere war vor einem Jahr noch völlig zugemüllt. / Foto: Privat
Maximilian Wolter im Gespräch mit Sabine Siegmund, die diese Post einige Jahre leitete. Im Hintergrund eine Telefonzelle. / Foto: Alert
Sogar die Baupläne der Post existieren noch. / Foto: Alert
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