Vor 90 Jahren begann in der Potsdamer Straße 46-49 der Aufbau des Havelwerkes. Das Gelände gehörte zu diesem Zeitpunkt noch zu Brennabor. Produziert wurden 2-cm-Vierlingsflak- und 2‑cm‑Zwillingsflak‑Geschütze. Die Zuarbeiten erfolgten praktisch von der anderen Straßenseite, von Brennabor, und die Geschützrohre kamen von der Firma Rheinmetall-Borsig AG. Außerdem wurden im Havelwerk Waffenteile für die Flak, Panzer und Handfeuerwaffen sowie Metallprägeteile produziert.
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Auf dem Grundstück – nach der Wende befand sich hier vor allem die Brandenburgische Bau AG (vorher Landbaukombinat), entstanden bis zum Herbst 1938 immerhin 17 Gebäude. Am Wasser wurde beispielsweise ein langgestreckter Schießstand zur Justierung der Waffen errichtet. Auch ein 200 Quadratmeter großer Bunker entstand. Anfang 1937 hatte die Havelwerk GmbH bereits 500 Mitarbeiter. Innerhalb eines Jahres verdoppelte sich die Zahl. Hinter Brennabor, Arado, dem Stahlwerk, Opel und Kummerlè war das Havelwerk damals der sechstgrößte Betrieb der Stadt.
Schon frühzeitig wurden Wohnungen für die vielen neuen Mitarbeiter gefordert. Diese wurden schließlich in Neuschmerzke errichtet. Für Lehrlinge entstanden Holzbaracken. Luftwaffenintern wurde das Havelwerk als „Montanindiustrie GmbH Neu Schmerzke“ geführt.
Das Werk galt als nationalsozialistischer Musterbetrieb. In den Kriegsjahren wuchs die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte. Im Februar 1942 gab es 250 sowjetische Zivilarbeiter. Und im September 1943 arbeiteten fünf Belgier, 133 Holänder, zwei Italiener sowie 379 männliche und zehn weibliche SU-Bürger. Im Mai 1944 hatte das Havelwerk 1948 Beschäftigte.
Am 31. März und 20. April war das Havelwerk Ziel von Bombenangriffen. Bis zu 20 Prozent des Werkes wurden dabei zerstört. Bei den Kämpfen um die Stadt wurde das Werk dann auch noch mit Granaten beschossen. Am 24. April um 11.30 Uhr besetzte die Rote Armee das Werk. Im Juli 1947 übernahm das Land Brandenburg die gesamte Immobilie. Sechs Gebäude, darunter der Schießstand und der Bunker, wurden gesprengt, einige Hallen demontiert. Nur das Verwaltungsgebäude direkt an der Straße blieb erhalten, wurde jedoch nach der Wende abgerissen, um Platz für den Netto-Markt zu schaffen.