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Vater Götze zog mit seiner Familie als Puppenspieler durch die Lande

Historisches
  • Erstellt: 12.06.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Wilhelm Götze und Daniel „Dan“ Jerome Kelly haben viel gemeinsam. Beide prägten die künstlerischen Karrieren ihrer Kinder und zogen mit ihnen über die Landstraßen zu Auftritten, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf. Während die Kelly-Familie über Jahrzehnte als Straßenmusiker unterwegs war, zog Vater Götze mit Frau und Kindern mit einem Marionettentheater durch die Lande. Der am 2. Februar 1871 geborene Wusterwitzer Wilhelm Götze gründete im Februar 1895 sein Marionettentheater, das seine Söhne noch bis 1958 führten.
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Götzes Vater starb bereits vor der Geburt des Sohnes. Die Mutter arbeitete als Botin und Semmelfrau. Wilhelm Götze verdingte sich als Hütejunge. In Genthin trat er eine Schneiderlehre an, die er jedoch nicht abschloss. Stattdessen zog es ihn für zehn Jahre in die weite Welt, wo er sich einem Zirkus anschloss, in dem er Stallknecht, Flickschneider, Clown und Artist war. Bis nach Italien, Frankreich, Österreich oder die Niederlande kam er. Dadurch verpasste er seinen Wehrdienst, sodass er von 1893 bis 1895 im kaiserlichen Strafregiment dienen musste.

Am 2. Februar 1895, an seinem 24. Geburtstag, eröffnete er sein Puppentheater. Alle Puppen schnitzte er selbst. Mit einem Hundewagen tourte er anfangs von Dorf zu Dorf. Ein Jahr später heiratete er die aus Ziesar stammende Auguste Noll. Sie wurde sofort in das Geschäft integriert, erledigte aber auch noch nebenbei Näharbeiten. Vier Söhne und zwei Töchter kamen in den Folgejahren zur Welt. Alle im Wohnwagen, aber an unterschiedlichen Orten. Auch sie wirkten schon frühzeitig bei den Auftritten mit.

Im Jahre 1914 wurde Vater Götze eingezogen, um im 1. Weltkrieg zu kämpfen. Provokativ fuhr er mit Wagen und Familie auf den Kasernenhof. Doch das nutzte nichts. Zumindest konnten die Kinder nun über einen längeren Zeitraum eine Schule besuchen. Nach seiner Rückkehr bildete er seine Kinder weiter als Artisten und auch Musiker aus und erweiterte so das Programm der „Universal-Künstler-Gruppe Familie Götze“. Während die Familie weiterhin unterwegs war, lebte Vater Götze ab 1930 in einem stillgelegten Wohnwagen am Wusterwitzer See. „Götzes Höh“ entwickelte sich in der Folgezeit zu einem beliebten Ausflugsziel. Götze ließ sogar Postkarten drucken.

Vater Götze schnitzte in seinem Leben nicht nur etwa 200 Puppen, sondern auch Hirtenstäbe, eine überlebensgroße Semmelfrau, Firmenschilder oder auch die Grabsteine für sich und seine Frau. Für sich fertigte er einen Sarg an, der ein kleines Fenster hatte. Schließlich wollte er sehen, wer zu seiner Beerdigung kommt. Er verfasste auch seine eigene Grabrede, die er auf einer Schallplatte aufnahm. Vater Götze verstarb am 14. Juni 1954 im Brandenburger Krankenhaus. Die Wusterwitzer Grundschule trägt heute seinen Namen.

Bilder

Wilhelm Götze in seiner kleinen Schnitzer-Werkstatt. Foto: Archiv Alert
Vater Götze als Hütejunge und seine Mutter als Semmelfrau. Foto: Archiv Alert
Nach Hunde- und Pferdewagen tourte die Familie motorisiert durch die Lande. Foto: Archiv Alert
Vater Götze schnitzte in seine Hirtenstäbe auch gern sein eigenes Konterfei hinein. Foto: Alert
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