Das Brandenburger Universitätsklinikum feiert am morgigen Mittwoch sein 125-jähriges Bestehen. Allerdings fand die feierliche Übergabe des Neubaues durch den Magistrat bereits am 29. Juni 1901, einem Sonntag, statt. Baumeister Boethke überreichte damals im Beisein sämtlicher Stadtverordneter und Ehrengäste symbolisch den Schlüssel an den Oberbürgermeister Rudolf Hammer.
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Der ärztliche Direktor Dr. Kurt Appel führte danach durch das Haus. „Für die Kranken das Beste“, betonte damals der Oberbürgermeister in seiner Rede. Der OB verwies darauf, dass die Stadt erst die zentrale Kanalisation und Wasserversorgung in Angriff genommen hätte, um dann dieses Krankenhaus zu bauen. Aus damaliger Sicht verschlang der Krankenhaus-Neubau geradezu Unsummen. Allein die Kosten für die Innenausstattung stiegen von 23.000 auf 95.000 Mark. Trotzdem leistete sich die Stadt nach der Übergabe auch noch ein ausgiebiges Frühstück im Restaurant „Ahlerts Berg“. Die Feier dauerte dem Vernehmen nach länger als der Rundgang.
Das städtische Krankenhaus verfügte bei seiner Fertigstellung über 152 Betten und beherbergte auch fünf Pensionäre. In jedem Saal gab es 13 Betten. Die gesamte Verwaltung bestand aus dem Inspektor Richard Schulz und dem Bürogehilfen Ullrich. Am 1. Juli 1901 durfte dann auch die Öffentlichkeit das Haus erstmals in Augenschein nehmen. Die Einwohnerzahl in der Stadt betrug damals knapp 45.000.
Ab 1897 war auf dem 21.300 Quadratmeter großen Grundstück gebaut worden. Der Berliner Baurat Heino Schmieden hatte am Südhang des Marienberges einen H-förmigen Komplex im Stil der norddeutschen Neo-Renaissance entworfen. Es beherbergte neben den Krankensälen, und dem Operationstrakt nebst Behandlungszimmern auch Wohnungen für die Ärzte, das Personal und den Inspektor. Das Personal bestand aus drei Ärzten, fünf Oberwärtern, neun Wärtern, einem Maschinenmeister, einem Heizer, einem Portier, zwei Hausdienern sowie Mitarbeitern für Küche und Wäscherei.
Jede Station verfügte über ein Bad, eine Anrichteküche, ein Dienstzimmer mit Telefonanschluss sowie einen Aufenthaltsraum für die Patienten. Das Essen wurde aus dem Erdgeschoss, wo sich die Küche befand, per Aufzug auf die Stationen geschafft. Die Beheizung erfolgte durch drei im Keller installierte Dampfkessel. An einen Fahrstuhl wurde dagegen damals noch nicht gedacht.
Neben dem Hauptgebäude entstanden ein Isolierhaus für Patienten mit ansteckenden Krankheiten, eine Waschküche sowie ein Leichenhaus mit Obduktionsraum und einer Beerdigungskapelle. Bis Ende 1901 erfolgte die Beleuchtung noch durch Petroleumleuchten, doch dann konnte die Stadt auch ihr Elektrizitätswerk fertigstellen.