„Vielfalt, Respekt und Menschenwürde dürfen niemals Ziel von Hass und Gewalt werden“, erklärt Jeanette Horn, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Brandenburg an der Havel. Sie zeigt offen ihre Solidarität mit allen Betroffenen der Ereignisse in Berlin. Auch Juliane Moosdorf, Regionalleiterin in der Region Havel des Paritätischen Brandenburg, schreibt heute Morgen: "Meine Gedanken sind bei den Betroffenen des Anschlags auf den CSD."
Erst am 18. Juli hatte in Brandenburg an der Havel der sechste CSD stattgefunden. Unter dem Motto „Branne bleibt bunt“ zogen zahlreiche Teilnehmer durch die Innenstadt. Themen wie steigende Hasskriminalität, sichere Räume für queere Jugendliche und gesellschaftliche Sichtbarkeit standen im Fokus. Eine Woche später wirkt vieles davon bedrückend aktuell.
Auch die Reaktionen aus Brandenburg zeigen, wie präsent das Thema ist – und wie tief die Gräben teilweise verlaufen. Meetingpoint-Redakteurin Hanna-Viktoria Fritsch berichtet von massiven Anfeindungen im Netz im Nachgang des lokalen CSD. Die Kommentarfunktion auf Facebook unter einem Beitrag wurde schließlich geschlossen.
„‚Die haben alle eine Psychose.‘ ‚Missgeburten.‘ ‚Hat die Psychiatrie wieder Ausgang.‘ – solche Kommentare waren darunter“, so Hanna-Viktoria Fritsch. Kurz nach der Berichterstattung über den lokalen CSD hat außerdem ein Leser gefragt, ob es den CSD überhaupt noch brauche.
Die Ereignisse von Berlin geben darauf für sie eine erschütternd klare Antwort:
"Und Tage später rast ein Kleintransporter am Tiergarten in eine Menschenmenge, die den Berliner CSD ausklingen lassen wollte, und die Antwort auf die Frage, warum es den CSD überhaupt noch brauche, liegt mal wieder auf dem Silbertablett. Hass, so viel eindeutiger als ein verachtender Kommentar. Eine Frau ist tot. Mindestens 16 Verletzte, drei lebensgefährlich. Menschen, die mutig auf die Straße gegangen sind. Menschen, die laut waren für Toleranz und queere Rechte. Menschen, die einfach nur lieben und leben wollten, ohne Angst."
Der Berliner CSD, der bis zum Abend friedlich mit Hunderttausenden Menschen verlaufen war, wurde nach dem Vorfall abgebrochen. Politiker, Künstler und Aktivisten äußern sich aktuell bestürzt. Für viele in der Community bleibt vor allem eine Frage: Wie sicher ist Sichtbarkeit? „Liebe sollte nicht mutig sein müssen“, schreibt Hanna-Viktoria Fritsch. Doch für viele queere Menschen sei genau das Alltag – Blicke, Unsicherheit, Abwägung im öffentlichen Raum.
Die Ereignisse in Berlin zeigen jetzt auf drastische Weise, dass die Forderungen, die auch beim Brandenburger CSD formuliert wurden, nichts an Aktualität verloren haben. Oder, wie es beim Abschluss am Marienberg durch Dr. Katarzyna Wojcik, Gleichstellungsbeauftragte der THB, hieß: „Die bessere Zukunft ist nicht irgendwann. Die bessere Zukunft ist jetzt.
Update um 10.36 Uhr: Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke hat mit Fassungslosigkeit auf den Anschlag während des CSD in Berlin reagiert. Er sagt: „Ich bin zutiefst erschüttert! Es ist ein menschenverachtender Angriff auf uns alle! Meine Gedanken sind bei den Opfern, deren Angehörigen und Freunden. Wir stehen fest an ihrer Seite. Ihnen gehört unser uneingeschränkter Respekt, für ein Einstehen für liberale und demokratische Werte.“
Update um 10.45 Uhr: Dylan Loleit vom Bündnis CSD Brandenburg schreibt: "Es war wirklich tragisch gestern. Mich hätte es auch wahrscheinlich beinahe erwischt, denn ich bin 10 Minuten zuvor gegangen."
Update um 12.08 Uhr: Sophie Pusch vom Bündnis CSD Brandenburg zeigt sich entsetzt und geschockt über den Vorfall. Es falle ihr schwer, das Geschehen in Worte zu fassen. Sie berichtet, dass sie am Vortag gemeinsam mit der AG queer des Kreisverbands der Linken vor Ort gewesen sei und einige noch länger geblieben seien. Als die Meldung aus Berlin bekannt geworden sei, habe zunächst die Sorge gegolten, was mit den anderen sei und ob es ihnen gut gehe. Auch hätten sie selbst Nachrichten von anderen erhalten. Sophie Pusch sagt, man sei froh, dass es ihnen gut gehe, denke aber zugleich an die Verstorbene, die Verletzten, die Zeugen und die Angehörigen. Sie wünsche sich Gerechtigkeit für die Betroffenen.
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