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Krematorium am Nordhang des Marienberges

Historisches
  • Erstellt: 30.07.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Vor 100 Jahren wurde das Brandenburger Krematorium eingeweiht. Der Bau war damals eine politische Entscheidung, war Oberbürgermeister Walther Ausländer einer derjenigen, die sich für die Feuerberstattung einsetzten, wogegen die katholische Kirche gegen Einäscherungen war. Erste Bestrebungen gab es bereits vor dem 1. Weltkrieg. Nach dem Krieg gründeten sich in Deutschland zahlreiche Volks-Feuerbestattungsvereine. So auch in Brandenburg. Durch die Inflation stieg die Zahl der Befürworter stark an.
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Der Magistrat wollte erst auf dem Altstädtischen und dann auf dem Nikolaifriedhof – in der St. Nikolaikirche - eine Verbrennungsanlage errichten. Doch beide Friedhöfe waren zu diesem Zeitpunkt bereits voll ausgelastet. Im Herbst 1923 beschloss der Magistrat nördlich von der Gördensiedlung einen Waldfriedhof anzulegen. Die Grundwasserverhältnisse sorgten jedoch für ein Umdenken.

Am 7. August 1924 wurde daher das städtische Grundstück in der heutigen Willi-Sänger-Straße als Bauplatz bestimmt. Stadtbaurat Moritz Wolf erarbeitete den Entwurf für das Krematorium nebst Urnenhain. Am 7. Mai 1925 stimmten die Stadtverordneten dem Projekt zu und stellten 240.000 Mark zur Verfügung. 80.000 Mark davon kamen vom Feuerbestattungsverein. Letztlich reichte dieses Geld zwar für den mehrflügeligen Komplex, aber nicht für die Umgestaltung zu einem Hauptfriedhof.

Es entstand ein zweigeschossiger Hauptbau mit hohem Staffelgiebel. Darin befand sich eine Trauerhalle mit 100 Plätzen. Hinzu kamen mehrere Funktionsräume und natürlich auch der Einäscherungsraum zu dem auch der Schornstein gehörte, der in expressionistischen Formen verklinkert wurde. Links schlossen sich die Leichenaufbewahrungsräume an. In dem Komplex befanden sich neben Büroräumen auch zwei Wohnungen.

Für die Innenausstattung und die mächtige Metalltür zeichnete der Brandenburger Bildhauer Albert Caasmann verantwortlich. Der Stadtgartendirektor Martin Keiser entwarf die gärtnerischen Anlagen, die an einen Park erinnern, jedoch erst 1928 fertiggestellt werden konnten. Während der Bauarbeiten starb der Oberbürgermeister Walther Ausländer. Er wurde am 17. Oktober 1926 im Rahmen der feierlichen Eröffnung unter einer Symbolurne beigesetzt. Dazu hatte sich eine riesige Menschenmenge eingefunden. Eine Woche lang fanden Führungen durch das Krematorium statt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Gördenfriedhof als Hauptfriedhof angelegt. Das einstige kommunale Krematorium wird heute durch die Feuerbestattungen Brandenburg GmbH betrieben.

Bilder

Das Krematorium kurz nach seiner Fertigstellung. Foto: Archiv Alert
Das Krematorium im Jahre 1992. Rechts die zugewachsene Symbolurne. Foto: Alert
Die mächtige Eisentür, die Albert Caasmann entworfen hat. Foto: Alert
Die Symbolurne bei der Einweihung vor 100 Jahren. Foto: Archiv Alert
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