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Prof. Tsokos: Immer auf der Suche nach der Wahrheit

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Stadtgeschehen

Erstellt: 14.02.2020 / 13:25 von cg1

Anruf an einem Freitag, dem 13. Mai: Wären sie bereit nach Kasachstan fliegen? Wir haben da zwei Leichen in einem Säurefass, den Fall müsste sich jemand ansehen... Was klingt wie ein Krimi ist für Michael Tsokos ganz und gar nicht  ungewöhnlich und tatsächlich so geschehen. Er ist Professor an der Charité in Berlin und leitet u.a. seit 2007 das dortige Institut für Rechtsmedizin. Mittwoch war der fünffache Vater in Brandenburg an der Havel zu Besuch, er sprach im Krematorium vor rund 100 Zuhörern. Eingeladen hatten ihn die Betreiber Ute und Gregor Walkusch.

Spannend, locker aber ohne Sensationshascherei informierte der Experte über sein Fachgebiet, Herausforderungen bei der Arbeit, skurrile und extrem bedrückende Fälle.

Einerseits sind die Rechtsmediziner immer gefragt, wenn der Verdacht auf einen unnatürlichen Tod besteht. "Die Abgrenzung Tötung oder Unfall beschäftigt uns", sagt Tsokos. Ist die Person wirklich ertrunken oder war sie schon tot, bevor sie ins Wasser gelegt wurde? Starb die Person wirklich, weil sie sich auf die Schienen legte oder sollte ein Mord vertuscht werden? Nahezu immer bringt die Obduktion die Wahrheit ans Tageslicht - rund 2000-2150 davon werden pro Jahr in Berlin durchgeführt.

Mit vielen Fotos von aktuellen Fällen beschrieb der Experte dem Publikum, wie  erste Eindrücke auch täuschen können. Da gab es z.B. ein blutverschmiertes Krankenhausszimmer und eine tote Frau. Schnell war klar, dass sich die Frau einen Katheter gezogen hatte, aufgrund der gerinnungshemmenden Medikamente verblutete sie, der Verdacht eines Verbrechens bestätigte sich nicht.

Und auch wenn die Obduktion immer noch die Öffnung der drei Körperhöhlen Schädel, Brust, Bauch bedeutet, macht neue Technik das Leben für die Mediziner einfacher. Wenn möglich, werden die Leichen heute mit dem Computertomographen (CT) untersucht - idealerweise, bevor sie aus ihren Behältnissen geholt werden. "In Berlin werden ein paar Mal pro Jahr Leichen in Koffern gefunden", beschreibt Tskokos einen aktuellen "Trend". Die bildgebende Untersuchung ermöglicht so z.B. oft schon Aussagen zur Todesursache, noch bevor der Koffer geöffnet wird. "Diese lassen sich dann mit den Angaben des Täters abgleichen", sagt der Experte. Wie im Fall einer toten Frau. Der Mann gab an, ihr von hinten auf den Kopf geschlagen zu haben, als sie vor dem Spiegel stand. Die radiologische Untersuchung der Leiche im Koffer bestätigte die Aussagen - das spart viel Zeit und hilft den Ermittlern.

Ein weiterer Vorteil: Die Daten stehen dauerhaft zur Verfügung, die Untersuchung alter Fälle werde möglich. Toskos nannte populäre Beispiele, bei welchen immer wieder Fragen im Raum stehen: War der Tod von Lady Di unfallbedingt? Hat Kurt Cobain sich wirklich selbst erschossen? Gab es bei Uwe Barschel ggf. übersehene Verletzungen?

Doch auch im "hier und jetzt" hilft das CT enorm. Michael Tsokos zeigt das CT-Bild einer Frauenleiche. Es zeigt die Spitze eines abgebrochenes Messers in ihrem Hals, nachdem ihr Mann auf sie los ging. Für die Ärzte wichtig: sie können das Beweisstück zielsicher im Körper finden und riskieren keine eigenen Verletzungen. "Früher musste man stundenlang nach Projektilteilen suchen, das hat sich erheblich vereinfacht", so Tsokos. Nicht immer können die Mediziner jedoch darauf zurückgreifen. Als er und sein Team zwei Tage nach dem verheerenden Tsunami nach Thailand flogen, wurde die ersten Tage unter freiem Himmel gearbeitet - es gab schlicht keine Infrastruktur.

Doch nicht nur um die Toten kümmern sich die Rechtsmediziner. In Berlin gibt es z.B. eine Gewaltschutzambulanz, in welcher mittlerweile rund 1.500 lebende Opfer von Gewalttaten untersucht werden. Das ist für spätere Gerichtsprozesse enorm wichtig. Tsokos zeigt das Bild einer Frau, die verschiedene blaue Flecken auf der Brust hat - die rührten daher, weil sich ihr Mann immer auf sie kniete. Ein Hausarzt ist hier mit der richtigen Einordnung oft überfordert. Dabei gibt es auch oft "schwer erträgliche Momente", wie es Michael Tsokos beschreibt. Zum Beispiel wenn er und sein Team sechs Wochen alte Kinder untersuchen müssen, die Misshandlungen ausgesetzt wird. Er zeigte beispielhaft die schwer verbrannte Hand eines Kindes oder ein weiteres Foto, das Schlagspuren im Gesäß- und Intimbereich eines Babys dokumentierte. Hier ist die Arbeit der Mediziner wichtig, damit Täter später bestraft werden können.

Bedrückend waren auch jene Momente, als Tsokos von den Funden der Kinderleichen des kleines Elias aus Potsdam und des kleinen Mohamed aus Berlin berichtete. Als er ein Foto einblendete, dass die Entführungs-Sets des Täters zeigte (z.B. Mundknebel, Betäubungsmittel...), ging ein Raunen durch das Publikum. Der Experte warf die Frage auf, ob man in diesem Fall wirklich schon alles wisse. "Auf dem Handy des Täters wurden viele Kinderfotos gefunden, von denen völlig unklar ist, woher sie stammen und was sie zeigen." Aus seiner Sicht stelle sich die Frage: Entführt und tötet jemand innerhalb weniger Wochen "einfach so" zwei Kinder oder gibt es eine Vorgeschichte?

Die Zuhörer nahmen nach 90 interessanten Minuten mehrere Botschaften mit: Die Arbeit der Rechtsmediziner ist enorm vielfältig. Sie bringt mit ihren Erkenntnissen u.a. Kriegsverbrecher - wie im Fall des Massakers von Srebrenica - vor Gericht ("fast alle Toten hatten Augenbinden und wiesen Genickschüsse auf"), hilft vermeintliche Gewalttaten auszuschließen, hilft Tote nach Naturkatastrophen oder Anschlägen zu identifizieren (nach dem Thailand-Tsunami wurden 96% der 300.000 Toten identifiziert) oder dient dem Opferschutz, wie im Fall der Gewaltschutzambulanz.

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Bilder


  • Prof. Tsokos bei seinem Vortrag

  • Die abgebrochene Messerspitze im Halsbereich - die vorherige radiologische Untersuchung hilft den Medizinern bei der Arbeit.

  • Gregor Walkusch hatte den Rechtsmediziner eingeladen.





  • Passt die Auffindesituation zu den Verletzungen?

  • Woher stammt der Begriffen Leichenschauhaus? Weil früher nicht identifizierte Tote öffentlich ausgestellt wurden, hier z.B. in Berlin.

  • Hammerschläge auf einem Kopf - mit dem CT können die Mediziner zeigen, wie der Schädel auf der Außen- und Innenseite aussieht. Für die Beweisaufnahme extrem wichtig.

  • Der Experte witzelt: Woran erkennt man die Mitarbeiter vom BKA auf dem Bild? Sie sind bis zur Nasenspitze eingepackt - die Rechtsmediziner schmunzeln darüber und machen ihre Arbeit weit weniger "verpackt".

  • Ein Mann stürzt auf einen Zaun - er konnte nicht befreit werden und wurde so ins Krankenhaus gebracht.


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Kommentare (4)

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B. Gripp schrieb um 18:50 Uhr am 14.02.2020:

„.... aber nicht unumstritten“
Da ist er wohl nicht allein.
Es sei denn, man agiert anonym.

Anonym schrieb um 17:54 Uhr am 14.02.2020:

Tsokos ist populär aber nicht unumstritten:
https://www.bitterlemmer.net/story/mobbing-und-intrigen-in-der-berliner-rechtsmedizin-maxeiners-tod-bleibt-ungeklart/549/

B. Gripp schrieb um 16:00 Uhr am 14.02.2020:

Das war ein sehr interessanter Abend. Ich möchte mich noch einmal bei Familie Walkusch bedanken, die es ermöglicht hat, dass die Koryphäe der Rechtsmedizin schlechthin, Prof. Dr. Tsokos zu diesem sehr kurzweiligen Diskurs nach Brandenburg gekommen ist.

Birgit schrieb um 13:36 Uhr am 14.02.2020:

Cool! Der war in Brandenburg? Ich bin Fan seiner Bücher.