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„Es gibt noch keine Spuren“: Fünf Fragen an die kommissarische Schulleiterin Kathrin Kazmierczak

Interview
  • Erstellt: 06.02.2021 / 09:01 Uhr von Antje Preuschoff
Kathrin Kazmierczak ist vom staatlichen Schulamt mit der Aufgabe betraut worden, die neue Oberschule an der Caasmannstraße aufzubauen. Die Lehrerin für Biologie, Chemie und Naturwissenschaften hat nach dem Lehramtsstudium ihr Referendariat an der mittlerweile abgerissenen Gesamtschule Görden aufgenommen. Dort arbeitete sie ab 1996 als Lehrerin, bis sie 2003 ans von Saldern-Gymnasium wechselte. Jetzt, mit 50 Jahren, hat sie ein Projekt übernommen, das den wenigsten Lehrern in ihrer Laufbahn begegnen dürfte. Als kommissarische Schulleiterin gründet sie eine Bildungseinrichtung mit.

Meetingpoint: Frau Kazmierczak, Sie sagten, der Aufbau sei „ein bisschen rein in den Nebel“. Wie ist es für Sie, damit beauftragt worden zu sein?
Kathrin Kazmierczak: Ich finde es toll, empfinde das als Glücksfall für mich, weil es manchmal schwierig ist, in vorgefertigten Strukturen weiterzumachen. Nun ist alles neu, alles offen. Es gibt noch keine Spuren. Ich kann sie selber machen und meine Ideen einbringen.

Sie sind für fünf Stunden für den Aufbau abgeordnet, ansonsten noch als Lehrerin am Saldern tätig?
Kathrin Kazmierczak: Ja, ich unterrichte noch bis zum Ende des Schuljahres dort. Das ist durchaus auch ein komisches Gefühl. Dass ich meine Schüler verlasse, macht mich traurig. Zumal ich aktuell ein ganz tolles 11er-Bio-Leistungskurs-Tutorium habe. Es ist sehr schade, dass ich die nicht weiter begleiten kann.

Schüler intensiver zu begleiten, ist Ihnen sehr wichtig?
Kathrin Kazmierczak: Man müsste eigentlich bei jedem Schüler genau gucken, wo seine Stärken sind. Das erhoffe ich mir auch für die neue Oberschule. Dass es erst einmal nur zwei Klassen sind, bietet dabei eine Chance, sich besser auf jeden Einzelnen einzulassen. Ich hoffe, ich kann mit den drei Kollegen ein Team bilden, um das Optimale herauszuholen. Was man in diesem Jahr aufbaut, darauf kann man in den Folgejahren aufsetzen. Weil wir auch sozial benachteiligte Schüler haben werden, möchte ich gern eine Schulsozialarbeiterin haben. Sie sind einfach andere Ansprechpartner für die Schüler. Lehrer sind nie in diesem Maße Vertrauenspersonen. Deswegen habe ich den Wunsch geäußert.

Sie sind seit 25 Jahren Lehrerin – erst an einer Gesamtschule, jetzt am Gymnasium. Haben sich die Kompetenzen der Schüler verändert?
Kathrin Kazmierczak: Am Gymnasium sind sie rhetorisch sehr gut, aber die Berufsorientierung fehlt ihnen. Viele machen erst nach der zwölften Klasse ein Praktikum, um im Berufswunsch gefestigt zu werden. Sie wissen oftmals gar nicht, „was ist was für mich?“. An der Oberschule kann man in Richtung Berufsorientierung exakter sein, denke ich. Generell sehe ich Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe als sinnvollste Schulform an. Weil die Schüler sich in Ruhe entscheiden können, welchen Bildungsweg sie einschlagen.

Was ist Ihre Vision / Ihr Traum für die neue Oberschule?
Kathrin Kazmierczak: Auf diese Frage könnte ich seitenlang antworten. Ich wünsche mir eine Schule, in der sich alle wohl fühlen. Wie das geht? Durch vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Schülern und Eltern. Alle wollen gemeinsam etwas aufbauen und erkennen, dass es nur gemeinsam geht. Dazu gehört wertschätzender Umgang und Offenheit. Aber auch gegenseitige Rücksichtnahme und das soziale Engagement.
Natürlich träume ich von einer digitalisierten Schule mit allen räumlichen und technischen Möglichkeiten. Dazu gehört die sächliche Ausstattung für  Experimente und Technikunterricht. Dabei dürfen soziale Unterschiede keine Rolle spielen. Jeder muss ein technischer Endgerät haben, mit dem er auch von zu Hause arbeiten kann. Das verlangt eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadt Brandenburg und den Verantwortlichen.
Die Schüler sollen Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen, in dem sie den Unterrichtsalltag und ihre Lernwege mitgestalten. Das wird anfangs schwierig, weil ungewohnt, sein. Durch engagierte Kollegen kann dies aber vermittelt und in den folgenden Schuljahren selbstverständlich werden.
Außerdem spielen noch andere Schlagworte wie naturwissenschaftliche Profilierung, Inklusion, Ganztag, soziale Projekte... in meiner Vision eine Rolle.
Grundlegend gilt: Gemeinsam zu handeln und in dieselbe Richtung zu gehen – das sorgt für Zufriedenheit und ebnet Innovationen den Weg.

Weitere Fragen richten Eltern gern an [kathrin.kazmierczak@lk.brandenburg.de].

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Kathrin Kazmierczak
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