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Mit "Waldgespür" unterwegs: 5 Fragen an Stefan Schober

Interview
  • Erstellt: 20.03.2021 / 18:01 Uhr von Antje Preuschoff
Stefan Schober liebt den Wald. Er betreibt die Instagramseite [Waldgespuer] und will dieses Jahr nebenberuflich als Waldführer durchstarten. Im Interview erzählt der 36-Jährige, was ihn an Baum und Borke so fasziniert und warum er das anderen Menschen unbedingt näher bringen möchte.

Meetingpoint: Wie haben Sie Ihr Herz an den Wald verloren?
Stefan Schober: Ich war schon immer gerne draußen im Wald. Ich bin auf dem Görden aufgewachsen und kann mich daran erinnern, dass unsere Eltern viel mit uns draußen waren. Wir haben außerdem viele Aktivurlaube gemacht. Damals war wandern noch nicht so mein Ding, ist das aber mit den Jahren geworden. Ich bin nicht so der Mensch, der sich im Urlaub an der Strand legt. Mit meiner Frau war ich viel in den skandinavischen Ländern unterwegs und da sind wir gewandert. Es ging immer darum, einfach raus zu kommen und abzuschalten. Das gelingt mir im Wald am besten. Ich habe gerade in dieser hektischen Zeit entdeckt, das der Wald mir hilft, raus und runter zu kommen. Das will ich weiter geben.

Wie sind Sie genau auf die Idee gekommen, Waldwanderungen anzubieten?
Stefan Schober: Letztendlich war mein Sohn (3 Jahre alt) ausschlaggebend dafür. Ich habe mich gefragt, was kann ich ihm mitgeben. Aus meinem Beruf in der IT nicht soviel. Das sind Techniken, die Kinder heute ganz selbstverständlich erlernen. Aber gerade das alte Naturwissen ist abhanden gekommen. Das will ich ihm mitgeben, denn es erdet mich ungemein.
Meine Frau hatte „Gebrauchsanweisung für den Wald“ von Peter Wohlleben gelesen. Daher wusste ich, dass es diese Ausbildung zum Waldführer gibt. Die habe ich ebenfalls gemacht. Fünf Monate lang je drei Tage in der Eifel. Da geht es um Flora, Fauna und Naturpädagogik. Da ist eigentlich immer etwas Neues aufgeploppt. Man wird außerdem aufmerksamer, sieht mehr, als man vorher gesehen hat, weil man das Hintergrundwissen dazu hat. Etwa, dass ein toter Baum nicht nur ein toter Baum ist, sondern einen Mikrokosmos birgt. Wenn du an einen solchen Baum ran gehst und genau hin schaust, würdest du ein riesengroßes Universum sehen, das da lebt.

Wie werden die Führungen aussehen?
Stefan Schober: Es kommt natürlich ganz darauf an, mit wem man raus geht. Das Angebot wird aber für Familien und Kindergruppen genauso interessant sein wie für alle anderen Waldinteressierten, die gerne den Wald erkunden möchten. Wichtig ist mir, dass der Wald mit allen Sinnen erlebbar wird. Es geht darum, Dinge zu fühlen, die uns den Alltag vergessen lassen. Wann hat man etwa zum letzten Mal frisches grünes Moos angefasst? Normalerweise geht man einfach dran vorbei. Dabei ist es unglaublich, wie weich es ist.
Bei der Wanderung geht es ein Stück weit um Selbsterfahrung. Es geht mir nicht um schulischen Frontalunterricht, sondern um ein lockeres Miteinander. Darum, gemeinsam Sachen zu entdecken. Vielleicht auch, Geschichten zum Gesehenen zu entwickeln. Einfach die Phantasie spielen zu lassen und die Leute mit auf eine Reise zu nehmen.

Wie oft sind Sie im Wald?
Stefan Schober: Ich versuche, es mindestens ein bis zwei Mal in der Woche zu machen. Im ersten Lockdown war ich jeden Tag draußen. Es zieht mich immer in den Wald, aber noch mehr bei speziellen Wetterlagen. Wenn sich zum Beispiel so ein Nebel über die Felder legt und du gehst in den Wald: Wenn du dann drin stehst, ist das der Wahnsinn.

Haben Sie jemals Angst im Wald?
Stefan Schober: Früher ja, weil ich das Wissen nicht hatte. Heute nicht mehr, eigentlich nicht mal mehr vor irgendwelchen Tieren wie Wildschweinen. Im Gördenwald ist einmal eine Rotte an mir vorbeigezogen. Das war kein Problem, weil ich weiß, wie ich mich verhalten muss und was ich zu erwarten habe. Und verlaufen ist ebenfalls kein Thema. Ich habe einen verrückt guten Orientierungssinn.

Bilder

Stefan Schober entdeckt auch an kleinen Dingen, wie der Wald tickt. Etwa an Knospen und Borken das A
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